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Nordkorea

Kleinwindräder


Sonnenuntergang - bald ist es pechschwarze Nacht. Der Wind rauscht im Laub des Apfelbaumes. In der Küche glimmt ein Feuer. Eine kleine Kerze flackert - romantisches Dinner für zwei? Nein, Alltag für eine Bauernfamilie in Samhun. Stromausfall. Wie so oft.

Energie ist in Nordkorea in allen Formen sehr knapp. Öl muss importiert werden, Kohle, Holz oder Wasserkraft gibt es nicht überall und Strom steht nur zeitweise, mit häufigen Ausfällen und grossen Spannungsschwankungen zur Verfügung. Dies beeinflusst die tägliche Arbeit stark. Einerseits muss vieles in mühseliger Handarbeit erledigt werden, andererseits kann ein Stromausfall mitten in der Joghurtproduktion die ganze Milch ungeniessbar machen. Schon lange ist uns dieses Problem bekannt und wir haben versucht, je nach Situation vor Ort das Beste mit dem Verfügbaren zu machen.

Wie können wir dieser Familie helfen, regelmässig Strom für den Alltag zur Verfügung zu haben? Abends im Schein einer Lampe essen zu können, Radio hören oder fernzusehen. Etwas, das für uns ganz selbstverständlich ist.
Wenn der Wind im Apfelbaum rauscht – könnte da vielleicht dieser Wind auch ein Rad zum Drehen bringen? Ein Windrad?

Was als erste Idee 2006 in unseren Köpfen herumschwebte wurde innerhalb von drei Jahren Realität:

Im September 2009 konnte Standortleiter Stefan Burckhardt das Dorf Samhun besuchen. Die Männer zeigten ihm stolz das neue 2 Kilowatt-Windrad, das sie mit einem Generator und einem Getriebe aus dem Ausland gebaut haben. Jetzt haben zehn Familien Strom im Haus und können nun am Abend lesen oder fernsehen.

Auch das vor einem Jahr eingerichtete 300-Watt-Windrad haben die Nordkoreaner überarbeitet und aufgrund von Vorbildern verbessert, welche der koreanische Teamleiter Jang auf der letztjährigen Agape-Studienreise in China gesehen hatte. Jang sagte dazu:
"Das ist erstmalig so konstruiert worden, das gibt es sonst nirgends auf der Welt. Und, naja, ich habe es selber entwickelt!"

Stefan ist begeistert, wie viel Eigeninitiative und Kreativität das Windenergieprojekt bei den Nordkoreanern ausgelöst hat, und er hofft, dass dieses Modell jetzt weite Kreise zieht und auch andere Dorfgemeinschaften sich Windräder für ihren Strombedarf bauen können.

Bereits wurde anlässlich eines Kurses auch ein Windrad-Wettbewerb durchgeführt. Neun Institutionen haben daraufhin je ein Kleinwindrad präsentiert. Diese wurden von einer Fachjury bewertet und prämiert.


Kleinwindrad in Nordkorea


Handbuch Windenergietechnik
Crome, Horst

3. Aufl. 2008, 208 Seiten m. vielen Zeichnungen und z.T. farb. Photos, 21 x 21 cm, gebunden; Ökobuchverlag, ISBN 3-922964-78-8

Effektiv und unkompliziert - das sind wesentliche Merkmale der in diesem Buch beschriebenen robusten und leistungsfähigen Windkraftanlagen zur Stromerzeugung, die alternativ auch zum Wasserpumpen eingesetzt werden können. Ihre Generatorleistung kann je nach Rotordurchmesser zwischen 300 W bis 5 kW frei gewählt werden und reicht aus, um einzelne Häuser fernab vom Netz mit Strom zu versorgen.

Nach einer Einführung in die Prinzipien der Windenergienutzung, der Standortwahl und Anlagenkonstruktion beschreibt der Autor Schritt für Schritt den Anlagenbau, der lediglich leicht erhältliche Standard-Maschinenteile und handwerkliche Metallbau-Techniken erfordert. Dadurch ist der Anlagentyp auch interessant für die Kleinserien-Fertigung und die dezentrale Stromversorgung in Entwicklungsländern! Hinweise zur Verwendung der Energie für die Heizung und für die Versorgung elektrischer Geräte runden das Buch ab.

"... Endlich einmal eine verständliche, detaillierte Bauanleitung für eine robuste und leistungsfähige Windkraftanlage!" (Sonnenenergie)

"Die Lektüre dieses Buches führt nicht nur dazu, daß die Leser Lust bekommen, die Ärmel hochzukrempeln, um ihr eigenes Windkraftwerk zu bauen. Wer jemals von Grund auf etwas über die Windkraft lernen möchte, ist mit den Ausführungen von Horst Crome bestens bedient." (Solarthemen 105)

Der Autor

Prof. Dr. Horst Crome, Dipl.-Ing., ist nach mehrjähriger Tätigkeit als Versuchs-Flugingenieur heute Lehrer für Metall- und Maschinentechnik und Dozent an der Bremer Universität.


Warum Alternativenergie?


Der Vizebotschafter der KDVR schreibt im Projektvorschlag: »Ich grüsse Sie herzlich und bitte um Ihre geschätzte Hilfe für ein Windenergie-Projekt in der DVR Korea. In Korea hat man momentan Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Strom. Das Land gewinnt Strom ungefähr zur Hälfte von Wasser und die andere Hälfte von Kohle, und Kohlenabbau wird immer schwieriger, weil man immer tiefer gehen muss, um Kohle zu gewinnen. 
Vor kurzem haben sich Experten am Alternativen Energiezentrum an der Akademie der Wissenschaften DVR Korea mit der Bitte an die Botschaft gewandt, ihnen bei der Errichtung einer Produktionsstätte für die Produktion von kleineren Windenergiegeneratoren zu helfen.
Weil ihnen aber die Finanzierung dieser Anlage Probleme bereitet, haben sie einen konkreten Investitionsvorschlag ausgearbeitet, den wir Ihnen gerne übermitteln möchten."


Darauf folgt ein detaillierter Finanzierungsvorschlag, dessen Inhalt noch zwischen den Nordkoreanischen Partnern und Agape international ausdiskutiert wird. Er schreibt weiter:
»Die Botschaft wäre dankbar, wenn dieses Projekt mit der Hilfe von „Agape international“ zustande kommen könnte.
Wenn dieses Projekt mit Ihrer Hilfe zu einem Erfolg wird, könnte es als ein gelungenes Beispiel dienen für viele Institutionen bei uns, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen, und einen grossen Beitrag bei der Überwindung der Energiefrage bei uns leisten.

Bei dieser Gelegenheit bedankt sich die Botschaft nochmals ganz herzlich für Ihre Bemühungen und Hilfe für uns, besonders auf dem Gebiet der Windenergie, die Sie in der Vergangenheit geleistet haben. Der Erfolg bei der
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet in der Vergangenheit zwischen den beiden Seiten wird eine solide Grundlage für weitere ausgezeichnete Zusammenarbeit bilden.“

Er erwähnt auch, dass es auch für Nordkorea wichtig sei, erneuerbare Energie zu fördern und damit dem Umweltschutz gerecht zu werden und die globalen Klimaschutzvereinbarungen einzuhalten. Das Land hat keine Erdöl- oder Ergasvorkommen, die Preise dafür steigen laufend, die bestehenden Kohlekraftwerke sind sehr alt und haben einen geringen Wirkungsgrad. Da ist der Wunsch nach nachhaltiger Energieversorgung gross! Die bisher hergestellten Windanlagen reichen bei weitem nicht aus, den Bedarf zu decken, es besteht ein riesiger Markt. Wir sind überzeugt, dass gerade in Nordkorea alternative Energiequellen zu erschliessen sinnvoll ist.