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Russland

heute - Suchtfrei leben


Alkohol ist die Droge und das Problem Nr. 1 in Russland. Ein grosser Teil der Bevölkerung Russlands trinkt sich buchstäblich zu Tode, und die Gesellschaft toleriert dies augrund der tiefen Verwurzelung des ungezügelten Trinkens in der russischen Kultur. So wird für viele der Wodka gerade in der Zeit gesellschaftlicher Umbrüche zu einer Art "Über"lebensmittel. Auch im Umfeld der neugegründeten christlichen Gemeinden ist das Alkoholproblem allgegenwärtig und zerstört Menschenleben, Familien und soziale Gefüge.

Wir möchten, dass kein Alkoholkranker im Umfeld der neugegründeten Gemeinden das Gefühl haben muss, Gott habe ihn bereits abgeschrieben. Jeder soll wissen: Auch für mich besteht Hoffnung. Dabei wollen wir möglichst vielen Menschen dabei helfen, eine dauerhafte Heilung von ihrer Krankheit zu erreichen.
Ausgangslage

Seit dem Ende der Sowjetunion hat die Einwohnerzahl Russlands von 172 auf 143 Millionen abgenommen. In den nächsten zehn Jahren wird ein weiterer Rückgang um 10 Millionen erwartet. Ein solch dramatischer Schwund ist normalerweise die Folge von Kriegen oder Massenemigration. Russland jedoch blieb in den letzten Jahren von beidem weitestgehend verschont.
Hauptursache für die Bevölkerungskrise ist vielmehr die einmalig hohe Sterblichkeit russischer Männer: Für einen Fünfzehnjährigen beträgt die Wahrscheinlichkeit 46% vor Erreichen des 60. Lebensjahres zu sterben (Zum Vergleich: In der Schweiz liegt die Wahrscheinlichkeit bei 9%). Die Lebenserwartung russischer Männer sank seit 1992 von 64 auf 58 Jahre (Schweiz: 78 Jahre). In beiden Eckdaten, Lebenserwartung wie Sterblichkeit, hält Russland unter allen entwickelten Ländern den Negativrekord.

Was aber ist der Grund für diese Misere?
Russland hat mehr Herzkranke, mehr Industrieunfälle, mehr Verkehrstote, mehr Morde und mehr Selbstmorde als andere Länder. Die hohen Todesraten haben eine gemeinsame Ursache: den Alkoholkonsum, der seit dem Ende der Sowjetunion stark gestiegen ist. Der Genuss von Alkohol ist, bis zu einem gewissen Grad, medizinisch unbedenklich. Aber nicht, wenn er so getrunken wird wie in Russland: riesige Mengen auf einmal und oft der billigste Fusel. Selbst Parfum und Fensterputzmittel werden in rauen Mengen gekippt - allein aus diesen Substanzen soll ein durchschnittlicher Russe pro Jahr vier Liter reinen Alkohols beziehen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Da wundert man sich nicht mehr, dass die Lebenserwartung um zwanzig Jahre niedriger liegt als bei uns.
12-Schritte-Konzept
Die Gruppenleiterinnen de Für den Kampf gegen die moderne Volksseuche Alkohol brauchen die jungen Gemeinden eine substanzielle Unterstützung, die sie dazu befähigt, das Problem nachhaltig zu lösen. Im Zentrum unseres Lösungsansatzes steht das von den anonymen Alkoholikern abgeleitete und bewährte 12-Schritte Konzept. Dabei handelt es sich um ein niederschwelliges Angebot für Alkoholkranke und ihre Co-Abhängigen Familienmitglieder. Gearbeitet wird in Gruppen, die sehr erfolgreich von gut ausgebildeten Laien geführt werden. Hierfür bedarf es einer fachlich ausgezeichnet qualifizierten Supervisionskraft, die wir in Person der Psychologin Ludmilla gefunden haben. Ihre für diese Tätigkeit notwendige Spezialausbildung wird von uns finanziert.
Gemeinde dient den Bedürftigen in Kaluga
Grigorij Tropez ist der Pastor der Blagodatj-Gemeinde. Mit der Hilfe des Gemeindegründungsprojektes von Agape international hat er schon 30 Gemeinden gegründet. „Die Kirche soll als Segen für die Gesellschaft dienen,“ sagt er. „In der Bibel steht geschrieben: ‚Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.’ (1.Johannes 3:18) Wir bemühen uns, dieser Regel zu folgen mit der Organisation von Wohltätigkeitsaktionen, Blutspenden für Kliniken, Kleider- und Lebensmittelausgaben und Geschenke an die Bedürftigen. Im Gemeindehaus ist ein Frisiersalon offen, gratis für alle. Seit vier Jahren schicken wir monatlich eine Zeitung an alle Haushalte mit einer Liste, wo man welche Hilfe bekommt. Das grösste Projekt ist unser Rehabilitationszentrum Vosrozhdenije (das bedeutet Wiedergeburt) für Alkoholabhängige und Drogensüchtige. Es ist 40 km von der Stadt entfernt. Im August weihten wir dort unseren neuen Bäckerei-Betrieb ein.“
Rehastationen

Der Leiter des Rehabilitationszentrum, Martin Kindler, holt mich in Kaluga ab. Als wir die Stadt verlassen, dämmert es. Es beginnt in dichten Flocken zu schneien. Das alles macht den Eindruck, als ob wir in ein Märchenland fahren würden. „In 45 Minuten kommen wir an,“ sagt mein Reisegefährte. „Das Zentrum mit der Bäckerei ist bewusst abgelegen. Je weiter die Reha-Station von der Zivilisation entfernt ist, desto kleiner ist die Versuchung.“

Martin Kindler ist Schweizer. Er kam nach Russland, um Gott hier zu dienen. Die russische Sprache erlernte er selbständig und er beherrscht sie nicht schlecht. Bis vor 20 Jahren war an der Stelle des Reha-Zentrums eine militärische Raketenanlage. Sie war darauf angelegt, Menschen zu vernichten. Doch heute dient das gleiche Gelände zu ihrer Rettung. Die Raketenanlage wurde 1993 abgerissen und an ihrer Stelle eine Farm gebaut. Vor drei Jahren konnte die Blagodatj-Gemeinde die Farm in einem miserablen Zustand übernehmen. Die ersten Reha-Teilnehmer halfen bei den Umbauten und der Renovation mit.

Heute erhebt sich ein geräumiges dreistöckiges Gebäude mitten auf dem Platz. Im Erdgeschoss liegen die Küche, die Speisehalle, und der Anbetungsraum, wo man jeden Morgen um 7 Uhr zu gemeinsamen Gebet und Lobpreis zusammenkommt. Im ersten Stock sind Zimmer für Mitarbeiter und Gäste und im zweiten sind die Reha-Teilnehmer untergebracht. 20 Männer haben Platz. Die Arbeit entwickelt sich in drei Hauptrichtungen: Gemüseanbau, Viehzucht und Bäckerei: Jede Nacht, ausser der Nacht auf den Sonntag, wird das Brot von einer speziell ausgebildeten Gruppe gebacken.

Agape international hat letztes Jahr dem Reha-Zentrum eine Bäckerei geschenkt. Die Bäckerei selbst ist überaus ungewöhnlich, denn es sind zwei fahrbare Schweizer Militärbäckereien. Seit 40 Jahren ist sie nicht mehr gebraucht worden. Ob sie überhaupt noch funktioniert? Doch alle Zweifel verfliegen, als die ersten Brote herauskommen und den Raum mit ihrem Duft erfüllen. Die vier angelernten Bäcker und der Mechaniker arbeiten die ganze Nacht durch und backen 700 Brotlaibe, die jeden Morgen frisch in die Geschäfte zum Verkauf geliefert werden.

Martin Kindler hat mir das ganze Reha-Zentrum gezeigt und alles erklärt. Mitternacht ist schon vorbei. Die Bäcker nehmen die erste Partie von appetitlich hellbraunen Broten sorgfältig raus. Ein wunderbarer Duft erfüllt den Raum und ich möchte am liebsten in eines der Brote beissen. „Warte!“ werde ich gewarnt: „Es ist noch viel zu heiss. Lass es einige Minuten abkühlen, und ich mache in der Zwischenzeit Tee.“ Das Brot ist vorzüglich! Wohlriechend und luftig. Hätte es denn anders ausfallen können, wenn es mit so viel Liebe gebacken wird?
Camps für coabhängige Kinder
Sommerferien – Viele Kinder in Nischni Nowgorod verbringen sie in gewohnter Umgebung, auf den staubigen, heissen Strassen zwischen den Wohnblöcken. Die Eltern (oft alleinerziehende Mütter mit zwei Arbeitsstellen) sind an ihrem Arbeitplatz und die Kinder sich selbst, der Strasse und den Freunden überlassen. Für solche Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen organisierte die 12- Schritte-Koordinatorin Ludmilla Andrianowa vom Zentrum Agape zweiwöchiges Sommercamp. 44 Kinder kamen in den Genuss dieser Ferien und haben eine frohe Gemeinschaft erlebt und eine spannende Reise durch die Bibel gemacht. Die Einführung ins 12-Schritte-Programm hat den Kindern geholfen zu begreifen, dass sie selber die Verantwortung für ihr Leben tragen und für den Weg, den sie gehen. Die Kinder haben gerne gezeichnet und modelliert, sich Märchen ausgedacht und einander erzählt sowie.Sie haben gelernt, über ihre Gefühle und Eindrücke ehrlich zu sprechen.

Dieses Sommercamp war für Natascha ein Geschenk Gottes. Sie wohnt bei ihrer Grossmutter. Ihr Vater ist umgekommen, ihre Mutter ist drogensüchtig und hat sie verlassen. Im Camp hat Natascha zum ersten Mal Gottes Wort kennen gelernt. Der Bibelunterricht und die Lieder haben ihr sehr gefallen. Sie hat Mädchen aus verschiedenen Kirchen kennen gelernt und sich mit ihnen befreundet. Sie hat begriffen, dass Gott sie liebt. Natascha ist seit dem Camp viel offener und gesprächiger geworden. Sie hat angefangen, ihre Grossmutter aufmerksamer zu behandeln, und ist hilfsbereit. Natascha schliesst sich weniger von der Aussenwelt ab, hat aufgehört ihre Freundinnen zu beschimpfen und sich über sie zu ärgern. Sie lächelt oft und sagt, dass Jesus sie liebt und ihr im Leben hilft.

Kampf der russischen Trunksucht

Absolutes Alkoholverbot im öffentlichen Raum gefordert
NZZ Online: Der Kreml will die Trunksucht in Russland weiter bekämpfen – mit absolutem Alkoholverbot in allen öffentlichen Anlagen und stark eingeschränktem Alkoholverkauf.  Mehr ...


Was haben wir bis jetzt erreicht:
1996 Praxis für Alkoholkranke
1999 Produktion geeigneter Hilfsmittel
2001 Ausbildung von Gruppenleitern
2004 verbesserte Ausb. der Gruppenleiter

5 Rehagruppen
570 Klienten
Monatliche Leitertreffen
130 Alkoholiker in individuelle Beratung
Schulungsseminare
9 Camps für Co-Abhängige Kinder 502 Teilnehmer
8 Reha Stationen
2 Bücher herausgegeben

12-Schritte - wie geht das?

Weg vom Alkohol...