
| Auch
wenn wir nur noch selten dabei sein können: Es wird weiter Milch verarbeitet,
Joghurt und Käse produziert. |
Im
März reisten Daniel Gerster, Agronom, und Urs Bächtold, Käser
und Lebensmittelingenieur FH, nach Nordkorea. Es war in erster Linie eine
Abklärungs- und Vorbereitungsmission für die darauf folgende
Weiterbildung von KoreanerInnen in der Schweiz im Bereich Milchverarbeitung
und Kulturenvermehrung. Urs Bächtold hat bereits in den Jahren 2003/04
auf diversen Kooperativen KoreanerInnen in der Milchverarbeitung geschult
und ist für das fachliche Programm der Weiterbildung in der Schweiz
zuständig.
»Während der ganzen
Woche konzentrierten wir uns auf die fachliche Arbeit. Dazu waren wir jeden
Tag auf dem Lande und dabei auch bei den Menschen, die uns in erster Linie
am Herzen liegen. Es ist für uns sehr motivierend zu sehen dass, nebst
den fachlichen Errungenschaften der vergangenen Jahre, vor allem auch persönlichen
Beziehungen entstanden sind, die weiter bestehen und die noch viele
Jahre halten werden. Unabhängig von der weiteren Entwicklung unserer
Zusammenarbeit und lokalen Veränderungen.
Es ist erfreulich zu sehen,
dass viele Betriebe seit Anfang 2006, als wir das Büro in Pyongyang
schliessen mussten, weiterhin Milch produzieren und vor allem zu Joghurt
verarbeiten. Gleichzeitig scheint es aber, dass irgendwo ein Limit ist,
über dieses die Betriebe systembedingt nicht hinauswachsen können
und dann stehen bleiben. Die Herausforderungen in fast jedem Bereich des
täglichen Lebens sind immer noch sehr gross.“
Daniel Gerster, Agronom 
Liebe
Leserin, lieber Leser In Samhun war es ein bisschen
wie Heimkommen, bekannte Gesichter, das Mittagessen am selben Ort, mein
Sitzplatz derselbe. Die Köchin begrüsste mich sehr herzlich und
servierte persönlich. Das ist in Nordkorea sonst nicht üblich
- und ich habe mich enorm gefreut. In der Käserei habe ich in vielen
kleinen Dingen meine Handschrift gesehen (es war sehr sauber, die Gegenstände
so aufgeräumt, wie ich es ihnen beigebracht habe). Obschon einige
der Frauen in der Zwischenzeit ersetzt wurden, ist das Wissen weitergegeben
worden. Es wurde aber auch deutlich sichtbar, dass die Frauen zusätzliche
Unterstützung und Ausbildung benötigen. Dazu bereiten wir jetzt
in der Schweiz eine massgeschneiderte Weiterbildung vor. Das Ziel: Die
für die Milchverarbeitung benötigte Kulturen selber vermehren
können. Urs Bächtold, als Käser und Lebensmittelingenieur
FH im Auftrag von Agape in Nordkorea |

Weitere Besuche und Ausbildung
nötig
»Das Ziel unserer Reise
war, den Schweizer Schulungsaufenthalt der Milchverarbeitungsspezialistinnen
besser vorbereiten zu können, die aktuelle Lage bezüglich Milchverarbeitung
und Kulturenvermehrung zu erfahren und zu sehen, wo die momentanen Schwierigkeiten
liegen.
Bei unseren Besuchen verschiedener
Produktionsorte wollten wir die KäserInnen und ihre Vorgesetzten sehen,
um mit ihnen über Erfolge und Bedürfnisse zu sprechen. Auch über
weitere mögliche Erweiterungen der Produkte, die Koreaner mögen
(Mozzarella oder Frischkäse), wurde diskutiert.
Fazit der Besuche: Es wird
weiter produziert, vor allem Joghurt. Das ist begeisternd: Das viele investierte
Wissen, Geld, die Zeit – sie sind nicht verloren gegangen!
Noch ist die Vermehrung
der dazu - und auch für die Herstellung von Käse - benötigten
Kulturen (Milchsäurebakterien) der Knackpunkt. Solange ein Ort nicht
selber vermehren kann, ist er auf gefriergetrocknete Kulturen angewiesen
– die nur schwer erhältlich sind (aus dem Ausland). Die zusätzliche
Ausbildung in der Schweiz, die sich vor allem auf die Vermehrung dieser
Kulturen konzentrieren wird, ist dringend notwendig.
Weiter
sahen wir deutlich, dass die Betriebe weitere Unterstützung brauchen.
Immer noch stellen die Rohmilchqualität und der oft zu lange dauernde,
ungekühlte Transport der hergestellten Produkte die Hauptschwierigkeiten
in der Verarbeitungskette dar. Wenn die Milch einer kranken Ziege zusammen
mit der Milch von gesunden Ziegen zu Joghurt verarbeitet wird, verdirbt
alles. Bei heissem Sommerwetter wird die Milch schnell schlecht oder das
Joghurt schmeckt sauer bis es beim Käufer ist.
Weitere Besuche für
Beratungen und zusätzliche Unterstützung sind notwendig, um weitere
Fortschritte zu erreichen. Aber eben, eine kurze Visite reicht da nicht
hin und längere Aufenthalte sind momentan nicht möglich.
Urs Bächtold, Käser
und Lebensmittelingenieur FH 

Der Weg zum Betrieb in Samhun
führt, nachdem man die Autobahn nach Süden verlässt, durch
weite Felder und sanfte Hügel. Hie und da fährt man durch kleine
Dörfer oder Arbeitsbrigaden, alle diese Siedlungen sind immer sehr
sauber – mag das Dorf selbst noch so bescheiden sein. Auf dem Feld arbeiten
Menschen, in den Schulhöfen sind meist eine Menge Kinder, die entweder
nach der Vorgabe des Turnlehrers Sport treiben oder nach dem Unterricht
noch zusammen spielen - oder vielleicht auch einfach etwas trödeln
und nicht gleich nach Hause gehen wollen.
Das Besondere auf dem Weg
nach Samhun ist, dass wir immer gegrüsst werden. Je näher wir
dem Ziel kommen, desto mehr Kinder und selbst Erwachsene erwidern unseren
Gruss aus dem Auto. Sie halten in der Arbeit auf dem Feld inne und winken
lachend unserem Auto zu. Oft bleiben Kinder am Strassenrand stehen, und
ihre grossen Augen und offenen Münder wandeln sich schnell in ein
Lachen und heftiges Winken. Manchmal stelle ich mir vor, die gleiche Strecke
einmal mit dem Fahrrad zu machen und dann auch ein paar Worte wechseln
zu können. Dies aber bleibt vorerst ein Wunsch und Traum. Wir wissen
nicht, was genau die Menschen der Strasse entlang über diese Ausländerbesuche
wissen und denken. Aber alleine die Reaktion auf unsere Durchreise freut
und ermutigt uns selbst; wenn wir jeweils am Ziel ankommen, haben uns bereits
so viele lachende Menschen zugewinkt, dass sich der Besuch schon deswegen
gelohnt hat und für uns selbst zum Segen wird.
Daniel Gerster 

Politisch bedeutend,
weltweit beachtet, ein diplomatischer und künstlerischer Coup – so
lauteten die Schlagzeilen in den Medien. Es war ein spezielles Ereignis:
Erstmals in der Geschichte
Nordkoreas sind mit den New Yorker Philharmonikern US-Musiker in Pyongyang
aufgetreten. Vor 1500 geladenen Gästen spielte das Orchester zunächst
die Nationalhymnen beider Länder, anschliessend Werke von Richard
Wagner, Antonin Dvo?ák, George Gershwin und Leonard Bernstein. Dirigent
Lorin Maazel verstand es, die einzelnen Werke mit kurzen, prägnanten
Worten einzuführen und gewann damit die Herzen vieler ZuhörerInnen.
Ob ein schlichtes „viel Vergnügen“ auf Koreanisch, oder mit der Bemerkung
„Eines Tages schreibt vielleicht ein Amerikaner ein Stück mit dem
Titel „Ein Amerikaner in Pjöngjang‘“ (zum Gershwin-Stück „Ein
Amerikaner in Paris“), Musik und Worte bewegten Herzen. Als dann auch noch
d a s koreanische Volkslied „Arirang“ erklang, hatten manche Tränen
in den Augen, berichtete eine Augenzeugin.
Schliesslich ernteten Dirigent
und Musiker langen, stehenden Applaus des begeisterten Publikums. Das Konzert
wurde auch im staatlichen Fernsehen Nordkoreas sowie in vielen anderen
Ländern übertragen. Anita Burckhardt

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