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herzensangelegenheit Nordkorea April 2008 English

 

 
Auch wenn wir nur noch selten dabei sein können: Es wird weiter Milch verarbeitet, Joghurt und Käse produziert.

Im März reisten Daniel Gerster, Agronom, und Urs Bächtold, Käser und Lebensmittelingenieur FH, nach Nordkorea. Es war in erster Linie eine Abklärungs- und Vorbereitungsmission für die darauf folgende Weiterbildung von KoreanerInnen in der Schweiz im Bereich Milchverarbeitung und Kulturenvermehrung. Urs Bächtold hat bereits in den Jahren 2003/04 auf diversen Kooperativen KoreanerInnen in der Milchverarbeitung geschult und ist für das fachliche Programm der Weiterbildung in der Schweiz zuständig.

»Während der ganzen Woche konzentrierten wir uns auf die fachliche Arbeit. Dazu waren wir jeden Tag auf dem Lande und dabei auch bei den Menschen, die uns in erster Linie am Herzen liegen. Es ist für uns sehr motivierend zu sehen dass, nebst den fachlichen Errungenschaften der vergangenen Jahre, vor allem auch persönlichen Beziehungen entstanden sind, die weiter bestehen  und die noch viele Jahre halten werden. Unabhängig von der weiteren Entwicklung unserer Zusammenarbeit und lokalen Veränderungen.

Es ist erfreulich zu sehen, dass viele Betriebe seit Anfang 2006, als wir das Büro in Pyongyang schliessen mussten, weiterhin Milch produzieren und vor allem zu Joghurt verarbeiten. Gleichzeitig scheint es aber, dass irgendwo ein Limit ist, über dieses die Betriebe systembedingt nicht hinauswachsen können und dann stehen bleiben. Die Herausforderungen in fast jedem Bereich des täglichen Lebens sind immer noch sehr gross.“
Daniel Gerster, Agronom 

Liebe Leserin, lieber Leser
In Samhun war es ein bisschen wie Heimkommen, bekannte Gesichter, das Mittagessen am selben Ort, mein Sitzplatz derselbe. Die Köchin begrüsste mich sehr herzlich und servierte persönlich. Das ist in Nordkorea sonst nicht üblich - und ich habe mich enorm gefreut. In der Käserei habe ich in vielen kleinen Dingen meine Handschrift gesehen (es war sehr sauber, die Gegenstände so aufgeräumt, wie ich es ihnen beigebracht habe). Obschon einige der Frauen in der Zwischenzeit ersetzt wurden, ist das Wissen weitergegeben worden. Es wurde aber auch deutlich sichtbar, dass die Frauen zusätzliche Unterstützung und Ausbildung benötigen. Dazu bereiten wir jetzt in der Schweiz eine massgeschneiderte Weiterbildung vor. Das Ziel: Die für die Milchverarbeitung benötigte Kulturen selber vermehren können. 

Urs Bächtold,
als Käser und Lebensmittelingenieur FH im Auftrag von Agape in Nordkorea


Weitere Besuche und Ausbildung nötig

»Das Ziel unserer Reise war, den Schweizer Schulungsaufenthalt der Milchverarbeitungsspezialistinnen besser vorbereiten zu können, die aktuelle Lage bezüglich Milchverarbeitung und Kulturenvermehrung zu erfahren und zu sehen, wo die momentanen Schwierigkeiten liegen.
Bei unseren Besuchen verschiedener Produktionsorte wollten wir die KäserInnen und ihre Vorgesetzten sehen, um mit ihnen über Erfolge und Bedürfnisse zu sprechen. Auch über weitere mögliche Erweiterungen der Produkte, die Koreaner mögen (Mozzarella oder Frischkäse), wurde diskutiert.
Fazit der Besuche: Es wird weiter produziert, vor allem Joghurt. Das ist begeisternd: Das viele investierte Wissen, Geld, die Zeit – sie sind nicht verloren gegangen!
Noch ist die Vermehrung der dazu - und auch für die Herstellung von Käse - benötigten Kulturen (Milchsäurebakterien) der Knackpunkt. Solange ein Ort nicht selber vermehren kann, ist er auf gefriergetrocknete Kulturen angewiesen – die nur schwer erhältlich sind (aus dem Ausland). Die zusätzliche Ausbildung in der Schweiz, die sich vor allem auf die Vermehrung dieser Kulturen konzentrieren wird, ist dringend notwendig.
Weiter sahen wir deutlich, dass die Betriebe weitere Unterstützung brauchen. Immer noch stellen die Rohmilchqualität und der oft zu lange dauernde, ungekühlte Transport der hergestellten Produkte die Hauptschwierigkeiten in der Verarbeitungskette dar. Wenn die Milch einer kranken Ziege zusammen mit der Milch von gesunden Ziegen zu Joghurt verarbeitet wird, verdirbt alles. Bei heissem Sommerwetter wird die Milch schnell schlecht oder das Joghurt schmeckt sauer bis es beim Käufer ist.
Weitere Besuche für Beratungen und zusätzliche Unterstützung sind notwendig, um weitere Fortschritte zu erreichen. Aber eben, eine kurze Visite reicht da nicht hin und längere Aufenthalte sind momentan nicht möglich.
Urs Bächtold, Käser und Lebensmittelingenieur FH 
 
 

Fachausbildung in der Schweiz
In verschiedenen Dörfern Nordkoreas wurden in den letzten Jahren vor allem Frauen in der Milchverarbeitung ausgebildet. Je nach Milchmenge ging es darum, kleinere oder grössere Mengen Joghurt und oft auch Käse herzustellen. Eine grosse Herausforderung ist die Vermehrung der dazu benötigten Kulturen.
Am Ende der Ausbildung: Andere anleiten in der Kulturenvermehrung
Einigen dieser Frauen möchten wir ermöglichen, sich in ihrem Fachbereich weiterzubilden. Dazu organisieren Daniel Gerster und Urs Bächtold eine intensive Trainingszeit in der Schweiz. 

Die Frauen werden im Sommer 2008 während vier Monaten in einer Käserei mitarbeiten und tageweise in Labors,  in der ALP (Agroscope Liebefeld Posieux) und in Spezialitäten-Käsereien geschult. Am Ende werden sie so unter anderem auch Kulturen selber vermehren, Lab gewinnen - und das Wichtigste: andere darin anleiten und lehren können. Es ist uns sehr wichtig, dass das Gelernte weite Kreise zieht. Viele Kooperativen sollen davon profitieren können. 
 


Der Weg zum Betrieb in Samhun führt, nachdem man die Autobahn nach Süden verlässt, durch weite Felder und sanfte Hügel. Hie und da fährt man durch kleine Dörfer oder Arbeitsbrigaden, alle diese Siedlungen sind immer sehr sauber – mag das Dorf selbst noch so bescheiden sein. Auf dem Feld arbeiten Menschen, in den Schulhöfen sind meist eine Menge Kinder, die entweder nach der Vorgabe des Turnlehrers Sport treiben oder nach dem Unterricht noch zusammen spielen - oder vielleicht auch einfach etwas trödeln und nicht gleich nach Hause gehen wollen.
Das Besondere auf dem Weg nach Samhun ist, dass wir immer gegrüsst werden. Je näher wir dem Ziel kommen, desto mehr Kinder und selbst Erwachsene erwidern unseren Gruss aus dem Auto. Sie halten in der Arbeit auf dem Feld inne und winken lachend unserem Auto zu. Oft bleiben Kinder am Strassenrand stehen, und ihre grossen Augen und offenen Münder wandeln sich schnell in ein Lachen und heftiges Winken. Manchmal stelle ich mir vor, die gleiche Strecke einmal mit dem Fahrrad zu machen und dann auch ein paar Worte wechseln zu können. Dies aber bleibt vorerst ein Wunsch und Traum. Wir wissen nicht, was genau die Menschen der Strasse entlang über diese Ausländerbesuche wissen und denken. Aber alleine die Reaktion auf unsere Durchreise freut und ermutigt uns selbst; wenn wir jeweils am Ziel ankommen, haben uns bereits so viele lachende Menschen zugewinkt, dass sich der Besuch schon deswegen gelohnt hat und für uns selbst zum Segen wird.
Daniel Gerster 


Politisch bedeutend, weltweit beachtet, ein diplomatischer und künstlerischer Coup – so lauteten die Schlagzeilen in den Medien. Es war ein spezielles Ereignis:
Erstmals in der Geschichte Nordkoreas sind mit den New Yorker Philharmonikern US-Musiker in Pyongyang aufgetreten. Vor 1500 geladenen Gästen spielte das Orchester zunächst die Nationalhymnen beider Länder, anschliessend Werke von Richard Wagner, Antonin Dvo?ák, George Gershwin und Leonard Bernstein. Dirigent Lorin Maazel verstand es, die einzelnen Werke mit kurzen, prägnanten Worten einzuführen und gewann damit die Herzen vieler ZuhörerInnen. Ob ein schlichtes „viel Vergnügen“ auf Koreanisch, oder mit der Bemerkung „Eines Tages schreibt vielleicht ein Amerikaner ein Stück mit dem Titel „Ein Amerikaner in Pjöngjang‘“ (zum Gershwin-Stück „Ein Amerikaner in Paris“), Musik und Worte bewegten Herzen. Als dann auch noch   d a s koreanische Volkslied „Arirang“ erklang, hatten manche Tränen in den Augen, berichtete eine Augenzeugin.
Schliesslich ernteten Dirigent und Musiker langen, stehenden Applaus des begeisterten Publikums. Das Konzert wurde auch im staatlichen Fernsehen Nordkoreas sowie in vielen anderen Ländern übertragen.     Anita Burckhardt


 
 

»Wir suchen finanzielle Unterstützung, um erst einmal in Samhun zwei   kleine Windanlagen zu bauen. Danach möchten wir 100 - 150 Koreaner zu Windexperten ausbilden, die dann weitere Anlagen im ganzen Land bauen können. Dazu benötigen wir total 150‘000 Franken. 
Dank Ihrer grosszügigen Hilfe sind schon 50 % der benötigten Mittel zusammen gekommen. Danke für Ihre weitere Unterstützung! 

Der nächste Schritt: Studienreise
Im Mai reisen 5 koreanische Experten mit Stefan Burckhardt für 14 Tage durch China und informieren sich aus erster Hand über die Herstellung von Windturbinen, Solarzellenbau und alle notwendigen Schritte, um abgelegene Dörfer mit Strom zu versorgen. China hat hier in den letzten Jahren viel Erfahrung gesammelt, die wir für Nordkorea nutzen wollen. 
Die am Projekt beteiligten Leute sind sehr motiviert und haben grosse Erwartungen.

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