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Aktuelle Informationen zum Projektverlauf Juli 2004 English

 

Waisenkinder in einem Heim in Chongjin beim Mittagessen - bald auch hier mit Milch und Joghurt ergänzt?   (Quelle: Ocha)


 
Schweizer Schule verschenkt Theater-Erlös

Die christliche Schule SalZH in Winterthur hat anlässlich eines Theaterprojektes beschlossen, die Kollekte vollumfänglich dem landwirtschaftlichen Entwicklungshilfeprojekt in Nordkorea zu kommen zu lassen. 

Welche Überraschung: Telefonisch teilte uns Beatrice Schild, eine der Lehrerinnen der SalZH mit, dass in den nächsten Tagen 1236.35 Schweizer Franken aufs Hilfskonto des Nordkoreaprojekts überwiesen würden. Wir haben nachgefragt, wie es dazu gekommen ist:

Beatrice Schild:
»Nach den Weihnachtsferien brachten zwei Schüler ein Video über Waisenkinder in Nordkorea und Informationsmaterial zum Entwicklungsprojekt von Agape International in Nordkorea mit in den Unterricht. Kurz darauf lernte ich Stefan Burckhardt, den Projektleiter persönlich kennen.
Wir haben uns in der Schule das Video gemeinsam angeschaut und die Kinder hatten den Wunsch, selber etwas zu tun.
Sie überlegten sich, wie sie Geld sammeln könnten und betrieben darauf hin einen Pausenkiosk, verkauften eine Schülerzeitung, selber bemalte Steine.
Anlässlich eines Theaterprojektes beschloss dann die Schulleitung auf Initiative der Schüler und Schülerinnen hin, die Kollekte aller Vorstellungen ebenfalls dem Entwicklungshilfeprojekt zukommen zu lassen. So kamen 1236.35 Fr. zusammen!
Anhand der Projektbroschüre wurde nun eifrig ausgerechnet, wieviele Ziegen, Käseformen usw. sich damit finanzieren liessen.
Während Familie Burckhardt in Nordkorea weilte, reisten einige Emails hin und her, so konnten die Schüler Fragen stellen und „dran“ bleiben. Sie beteten während dieser Zeit auch oft für das Land, die Regierung,  die Mitarbeiter  und freuten sich darauf, Familie Burckhardt vor den Sommerferien bei einem Schulbesuch persönlich kennenzulernen. 

Gelebte Grosszügigkeit: Familie Burckhardt empfängt das erarbeitete und ersammelte Geld der 3.-6. Klässler)

 
Nordkorea live erlebt
Nach fünf Jahren Projektkoordination aus der Schweiz war ich nun wieder längere Zeit vor Ort und erlebte hautnah, was es heisst, in Nordkorea zu leben und zu arbeiten. Vieles war ungewohnt, auch wenn ich es vor sechs Jahren schon einmal erlebt habe. Da ist zum Beispiel die Kommunikation über einen Übersetzer, das Erleben, dass ich die vielen Schriftzeichen und Signale (noch) nicht verstehe, dass eine Stadt abends fast stockdunkel ist, man dafür die Sterne hell und klar sieht, dass man dann duscht, wenn man beim Abwaschen merkt, dass heisses Wasser kommt, dass alles ein wenig länger dauert als ich es im heimatlichen Umfeld in der Schweiz umsetzen kann. Das ist die eine Seite, die herausforderte, die Momente bringt, wo ich schlicht überfordert war und an meine Grenzen stiess.
Die andere Seite waren die Menschen, mit denen ich zusammenarbeitete und lebte. Es ist ein Vorrecht in diesem Land, denselben Fahrer zu haben, mit dem man schon einmal sieben Wochen unterwegs war und dessen Freude über das Wiedersehen echt und herzlich ist. Es ist toll zu sehen, wie sich Standorte, in die wir in den letzten Jahren Material, Know-how und Beziehungen investiert haben entwickeln und aufblühen. Vieles sind kleine Schritte, nichts Spektakuläres, in der Schweiz vielleicht sogar Selbstverständliches. Doch sie zeigen mir, dass Veränderung ein Prozess von vielen kleinen Schritten ist - was mich ermutigt, mich selber auf solche Prozesse einzulassen und andererseits auch dranzubleiben in diesem Land.

Stefan Burckhardt, 
Projektleiter Nordkorea


 

Fröhliche Sitzungen

Nordkorea hat in seiner Geschichte nie eine demokratische Staatsform kennen gelernt. Dies gilt es zu bedenken, wenn man dem heutigen totalitären System begegnet und daran europäische Massstäbe anlegt.

» Mir ist vor allem ein äusserst diszipliniertes, hart arbeitendes Volk aufgefallen, das versucht aus jedem Meter Boden Nahrung zu gewinnen. Die Menschen sind, wenn es zu einer Begegnung kommen darf, freundlich und hilfsbereit. Man kann mit ihnen lachen, und in der kurzer Zeit von zwei bis drei Tagen, konnte ich auch äusserst private Fragen erörtern. Dieses Land braucht uns dringend. Abwesenheit und Ignoranz wird nichts verhindern. Doch durch tatkräftige Hilfe, ergänzt durch unsere Liebe werden ihre Herzen bewegt.
Am Freitag hatten wir eine Sitzung mit dem Chef der „Abteilung für Tierhaltung“ des Landwirtschaftsministeriums. Nach den ausführlichen gegenseitigen Dank und Lobgesprächen erklärte uns Herr Kim Jong Nam, dass das Ministerium seine Strategie mit uns ändern möchten.

Kim Wol Zu und Kim Jong Nam in entspannter Atmosphäre

Sie wünschen, dass wir uns auf 10 Standorte in Nordkorea festlegen und diese zu Musterbetrieben ausbauen sollen.
Nachdem ich ausführlich unsere Qualitäten als Pioniere im Starten von neuen Ziegenstandorten erläutert hatte, erwiderte ich, dass wir uns den vorgeschlagenen Strategiewechsel unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen könnten. Damit wir die vorgeschlagenen 10 Standorte zu Musterbetrieben ausbauen könnten, müssten ihrerseits die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden.
Nun begann die eigentliche Verhandlungsarbeit! Solche Gespräche finden immer zwischen den Ranghöchsten statt, die Experten sitzen auf der Seite und flüstern ihrem Gesprächsführer die wichtigen fachlichen Informationen zu.
Nach der Sitzung hatten wir noch ein gemeinsames Abendessen, wo mir Kim Jong Nam sagte, er habe noch nie so stark kontrovers in einer so fröhlichen Atmosphäre verhandelt, wie das mit mir heute Abend möglich war.
Auch der Koordinator Kim Wol Zu sagte mir, dass er in seinem ganzen Leben noch nie eine so fröhliche Woche erlebt hatte wie mit mir.

Diese Aussagen freuten mich natürlich sehr und zeigten mir, dass Christus in mir und durch mich tatsächlich eine Atmosphäre schaffen kann, die für unsere Partner in Nordkorea neu und positiv ist.“ 
 
 
Zwei Monate nach der verheerenden Explosion leben Tausende in Zelten

Die internationale Hilfe für den Unglücksort ist grosszügig - doch es dauert noch eine Weile, bis Normalität einzieht: Immer noch sind viele Häuser zerstört, Kinder können nicht in die Schule gehen  usw. .

Sie erinnern sich: Am 22. April explodierten mehrere Eisenbahnwagons bei einem Rangierzwischenfall. Da es kurz nach 12 Uhr Mittags geschah, wurden viele Kinder verletzt, die eben die Schule verlassen hatten und unterwegs nach Hause waren. UNICEF meldet jetzt, dass die Aufbauarbeiten begonnen haben, dass aber immer noch die meisten Menschen in Zelten leben, die Kinder die Schule noch nicht besuchen können. UNICEF setzt sich speziell dafür ein, dass gerade für die Kinder ein Teil „Normalität“ wieder eintritt: der tägliche Schulbesuch. Viele leiden am Erlebten, sind traumatisiert. Hier leisten verschiedene Menschen Hilfe – der Schulbesuch wird ein weiterer Teil sein, das Erlebte zu verarbeiten.
Wie wir sie im letzten Brief informiert haben, setzen wir uns momentan nicht speziell für Ryongchon ein. Hier sind sehr viele speziell auf Soforthilfe eingestellte Organisationen aktiv.
In den nächsten Monaten werden wir aber auch in der vom Unglück betroffenen Provinz Nord Pjöngan eine neue Molkerei installieren. Das hier hergestellte Joghurt wird vor allem an Kindertagesstätten, Schulen und Spitäler verteilt, was eine sehr wichtige Ergänzung der dort verteilten Mahlzeiten ist. Wir hoffen,  Ihnen bald mehr darüber berichten zu können. 
 


Zwei Mädchen vor den Überresten ihrer Primarschule (UNICEF DPRK 2004).

Lage Ryongchon (www.reliefweb.int modifiziert).


In den letzten Monaten hat das Warenangebot deutlich zu genommen, das System der Verteilung Güter verschiedenster Art hat sich verändert. Man könnte sagen, Nordkoreas Wirtschaft sei der unseren ähnlicher geworden: Dinge werden nicht mehr hauptsächlich zugeteilt, sondern müssen gekauft werden. 

Auch wenn das Land immer noch sehr isoliert ist, gewisse Lockerungen wurden sichtbar. Vor anderthalb Jahren wurde das mobile Telefonieren mit einem Handy erlaubt. Öffnung, auch in kleinsten Bereichen hat immer das Risiko, unkontrollierbar zu werden - ein ganz neues Gefühl für dieses Land.
So war es kürzlich schon wieder vorbei mit der kleinen Bequemlichkeit, verschiedene Medien berichteten davon: die Handys mussten wieder abgeben werden. Für unser Projekt wäre es eine Erleichterung gewessen, den Kontakt vom nordkoreanischen Projektbüro aus mit den Mitarbeitern auf den Standorten besser aufrecht erhalten zu können (ins Ausland zu telefonieren war nicht möglich). Veränderung ist ein Prozess in kleinen Schritten. Ein Prozess, der Zeit braucht, und Geduld. 


Junge Koreanerinnen sind bildhübsch!


Jürg Bühlmann hat nach seiner Auszeit und anschliessender Tätigkeit im Büro Zürich während des Nordkorea-Aufenthalts von Familie Burckhardt nun eine neue Stelle ausserhalb von Campus für Christus angetreten.
Wir danken ihm hier an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für sein grosses Engagement und wünschen ihm für seine weitere Zukunft alles Gute und Gottes Segen!
Marie-Anne Bühlmann arbeitet weiterhin im Büro Zürich mit, so werden Sie öfters ihre Stimme am Telefon hören, oder Informationen mit ihrer Handschrift erhalten.

Stefan Burckhardt plant, im September einige Tage vor Ort zu sein. In der Zwischenzeit leitet und koordiniert er das Projekt von der Schweiz aus. Um für längere Zeit in Pjöngjang arbeiten zu können, fehlen die Mitarbeiter hier in Zürich. Es ist aber notwendig, während der ganzen „Landwirtschaftssaison“ einen Koordinator vor Ort zu haben – jetzt müssen sich Käser und Agronom mit viel Administrativem herumschlagen, was sie in ihrer eigentlichen Aufgabe behindert. So suchen wir jemanden, der die Arbeit vom Schweizer Büro aus koordinieren hilft! 
 
 
Ihre Unterstützung ermöglicht Hilfe, die ankommt! 
Dazu brauchen wir noch finanzielle Mittel:

Ersatzteil für eines der Projektfahrzeuge: 1 Halbwelle à 703 Franken. Ohne diese kann das Auto nicht mehr fahren!
10 Tage Experten-Einsatz, zum Beispiel eines Metzgers oder Ledergerbers: Ein Tag kostet rund 500 Franken (Flug, Versicherung etc. anteilsmässig).
1 Plastik-Weichkäseform: 11 Franken.  Bis der frische Käse fest genug ist wird er darin aufbewahrt. 
1 Chromstahlgestell zum Lagern von Käse: Occasion 90 Franken plus je Tablar 40 Franken.
„Mitbringsel“ bei Standortbesuchen: Sesam- oder anderes Speiseöl, Zucker, Mehl - je nach Ort sind verschiedene Dinge Mangelware. 1 Kanister Speiseöl kostet rund 11.50 Franken, ein Kilo Mehl 1.20 Franken.

... und vieles mehr!

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