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Zwischenbericht Juni 2002

Arirang
Daniel Gerster, Projekt-Agronom:
„Herzlich willkommen in Korea! Korea feiert das Frühlingsfest (Arirang bedeutet Fest, Festi-val) und lädt dazu Touristen aus aller Welt ein. Fast jeder ist willkommen, sich die spektaku-läre und weltweit wohl einmalige Massengymnastik-Show "Arirang" in Pjöngjang anzusehen und sich daneben ein Bild von den Sehenswürdigkeiten in Korea zu machen.


Massentanz zum 90. Geburtstag des verstorbenen Kim Il Sung


Korea stellt vereinfacht Visa aus, um möglichst viele Leute anzuziehen. Die Show ist sicher sehr sehenswert und wird von Ende April bis Ende Juni aufgeführt. Ein Sitzplatz kostet zwi-schen 50 und 300$. Übernachten muss man in einem Hotel, das pro Nacht und Zimmer etwa 90$ kostet. Neben der Show kann man sich die Sehenswürdigkeiten in und um Pjöngjang an-sehen, so dass sich eine Woche gut füllen lässt.“

Lebensmittelversorgung Nordkoreas alarmierend prekär
Das Positive vorweg: Dieses Jahr hat es im April und Mai einige Male ausgiebig geregnet. Die Frühlingsernte sollte nicht mager ausfallen. Und doch, es ist erschreckend: Auch dieses Jahr zeichnet sich auf den Sommer hin eine sehr, sehr knappe Nahrungsmittelversorgung ab. Informationen der UNO besagen, dass Ende Juni die Vorräte aufgebraucht sind. Zwar können dann die ersten Weizen- und Kohlfelder abgeerntet werden, doch dies ist nicht genug, um den Engpass bis zur Haupternte von Reis, Mais und anderen Feldfrüchten zu überbrücken.
Verschiedene Organisationen wie die UNO, die in den vergangenen Jahren sehr grosse Men-gen an Lebensmittel nach Nordkorea gebracht haben, sehen sich dieses Jahr vor grosse finan-zielle Engpässe gestellt. Ihre Geldgeber haben unter anderem wegen der Krise in Afghanistan den Fokus gewechselt, so dass für Nordkorea massiv weniger Geld zur Verfügung steht (UNICEF kann nur noch 29 % des benötigten Etats einsetzen). Dazu kommt sicher auch, dass nach über 7 Jahren Nahrungsmittelhilfe und ohne dass sich ein Ende abzeichnet würde der Wille nachlässt, das Land weiter zu stützen.
Campus für Christus hat für dieses Jahr vorläufig keine Nahrungsmittelhilfe vorgesehen. Die Hilfe soll weiterhin hauptsächlich in der Vermittlung von längerfristig wirksamer Unterstüt-zung geschehen. Die Versorgungslage wird jedoch weiterhin aufmerksam beobachtet.

Wie können Sie helfen? Schenken Sie eine Milchkanne!
Jürg Bühlmann berichtet: „Soeben bin ich nach der Winterpause vom ersten Einsatz in diesem Jahr aus Pjöngjang zurückgekehrt. Wir haben verschiedene Standorte besucht und überall re-lativ gute Ergebnisse angetroffen (junge Ziegen, grünende Wiesen, etc.). Die lokalen Verant-wortlichen an den Standorten sind nach wie vor motiviert und gewillt, sich für die Verbesse-rung der Lebensbedingungen einzusetzen. Überall stellen wir fest, dass der Milchverarbeitung sehr grosse Bedeutung beigemessen wird. Auch das Landwirtschaftsministerium versucht auf allen Ebenen diesen Bereich zu fördern.


 
Junge Ziegen in einem Gebüschfeld
Zicklein, wird ausnahms-weise mit dem Schoppen gefüttert

Für die Ausweitung der Joghurtproduktion werden an vielen Orten Milchkannen benötigt. Teilweise werden diese in Korea selbständig hergestellt, aber die Qualität des Materials und der Verarbeitung lässt sehr zu wünschen übrig. Der gründlichen Reinigung der Gefässe ist sehr hohe Beachtung zu schenken, damit sich keine unerwünschten Bakterien ausbreiten. Bei den oft mangelhaften Schweissnähten der koreanischen Kannen ist die Reinigung problema-tisch. Deshalb bevorzugen wir den Import aus China. Diese weisen zwar nicht CH-Qualität auf, sind aber um vieles besser als die Koreanischen und der Transportweg ist vertretbar. Wir wollen darum dieses Jahr verschiedene Standorte mit Milchkannen ausrüsten. Ein Gefäss à 20 Liter kostet rund 140 SFr. Danke für Ihre Mithilfe!“



Solche Milchkannen sind Mangelware

Weiterer Finanzbedarf: Transportmittel-Kauf
Im vergangenen Jahr musste wegen zu knapper Finanzen der Kauf dringend benötigter Fahr-zeuge zurückgestellt werden. Einerseits möchten wir den Menschen in Unzong mit einem kleinen robusten Lastwagen die Arbeit erleichtern – bisher musste die ganze Ernte, alle Las-ten von Hand oder auf dem Rücken transportiert werden.
Andererseits benötigen drei weitere Standorte für einen effizienten Milchtransport kleine Fahrzeuge. Gerade in Bjong Pun Dok mit seinen verschiedenen kleinen Milchproduzenten ist es wichtig, dass die Ziegenmilch bis zur Verarbeitung nicht zu lange unterwegs ist. Zudem können die Fahrzeuge auch für die Verteilung der Fertigprodukte (Joghurt, Käse) verwendet werden.

Zusätzlich braucht auch das Projektteam vor Ort ein neues Fortbewegungsmittel: Der Motor des Toyota Landcruiser explodierte auf der Fahrt zum Flughafen von Pjöngjang und ist leider nicht mehr zu reparieren. So sind im Augenblick die Bewegungsmöglichkeiten sehr einge-schränkt (es steht nur ein geländegängiges Fahrzeug zur Verfügung). Eine andere Hilfsorgani-sation, die ihr Engagement in Nordkorea beendet, kann eventuell eines ihrer Fahrzeuge güns-tig zur Verfügung stellen.

Nordkoreanische Praktikanten im Berner Oberland
Am 26. Mai sind wieder 7 Landwirtschaftspraktikanten in Zürich-Kloten eingetroffen. Nach einem Schulungsblock in der Landwirtschaftlichen Schule Rheinhof in Salez (SG) leben sich die Männer jetzt in ihren Bergbauernfamilien im Berner Oberland ein. Während 15 Wochen haben sie die Gelegenheit, sich praktisch mit Schweizer Berglandwirtschaft auseinander zu setzen. Die Bauernfamilien sind sehr motiviert, sich wieder auf den nicht immer leichten Pro-zess des Kennenlernens und Zusammenarbeitens einzulassen. So lernen die Männer nicht nur Neues im Bereich Landwirtschaft, sondern auch über die Art und Weise des Lebens in einer anderen Kultur. Sie haben ihr Land noch nie zuvor verlassen, oft vor allem Negatives über andere Länder gehört.

Auch hier gilt: Viele einzelne Menschen tragen ihren Teil dazu bei, dass die Praktikanten ei-nen erfolgreichen Aufenthalt in der Schweiz erleben. Ein Beispiel: Die Männer treffen mit sehr wenig persönlichem Gepäck in Zürich-Kloten ein. Damit sie für die Arbeit in Feld und Stall geeignete Kleider tragen können, packt Silvia Günter jedem einzelnen einen gut gefüll-ten Koffer. Da finden sich neben Bergschuhen ein Überkleid, genügend T-Shirts, Pullover und Unterwäsche, Regenschutz, ein Anzug für festliche Gelegenheiten und vieles mehr.




Auch die Krawatte geht nicht vergessen – mit Liebe gepackter Koffer für einen Praktikanten


Fach-Experten für Kulturen ausgebildet
Seit Ende Mai weilt eine Viererdelegation für drei Wochen in der Schweiz und wird in der Vermehrung der Stammkulturen für die Joghurt- und Käseproduktion ausgebildet. Dadurch können in Zukunft in Pjöngjang die benötigten Kulturen für das ganze Land selbständig pro-duziert werden und eine Abhängigkeit von Campus für Christus beziehungsweise dem Aus-land kann vermieden werden.

So wertvoll ist Ihre Spende
Seit 8 Jahren engagiert sich Campus für Christus in Nordkorea. Seither konnte jährlich das Aktionsgebiet vergrössert werden. Jetzt können an den Projektstandorten insgesamt über 12’000 Menschen direkt von einer verbesserten Nahrungsmittelversorgung profitieren. Die in der Schweiz ausgebildeten Praktikanten, mittlerweile sind das 60 Fachleute, bringen ihr Wis-sen und Können in weiteren unzähligen Produktionsgenossenschaften ein. Wie viele Tausend Menschen davon profitieren kann gar nicht abgeschätzt werden.

Sie als Spender, Spenderin sind daran massgeblich beteiligt. So wertvoll ist Ihre Gabe!


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Frühere Ausgaben:
2002:
März 2002 / Januar 2002
2001:
Januar 2001 / März 2001 / Juni 2001 / August 2001 / November 2001