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herzensangelegenheit Nordkorea Juni 2007 English

 
Sonnenuntergang - bald ist es pechschwarze Nacht. Der Wind rauscht im Laub des Apfelbaumes. In der Küche glimmt ein Feuer. Eine kleine Kerze flackert - romantisches Dinner für zwei? Nein, Alltag für eine Bauernfamilie in Samhun. Stromausfall. Wie so oft. 

Energie ist in Nordkorea in allen Formen sehr knapp. Öl muss importiert werden, Kohle, Holz oder Wasserkraft gibt es nicht überall und Strom steht nur zeitweise, mit häufigen Ausfällen und grossen Spannungsschwankungen zur Verfügung. Dies beeinflusst die tägliche Arbeit stark. Einerseits muss vieles in mühseliger Handarbeit erledigt werden, andererseits kann ein Stromausfall mitten in der Joghurtproduktion die ganze Milch ungeniessbar machen. Schon lange ist uns dieses Problem bekannt und wir haben versucht, je nach Situation vor Ort das Beste mit dem Verfügbaren zu machen. 

Wie können wir dieser Familie helfen, regelmässig Strom für den Alltag zur Verfügung zu haben? Abends im Schein einer Lampe essen zu können, Radio hören oder fernzusehen. Etwas, das für uns ganz selbstverständlich ist. 
Wenn der Wind im Apfelbaum rauscht – könnte da vielleicht dieser Wind auch ein Rad zum Drehen bringen? Ein Windrad? 
 

Liebe Leserin, lieber Leser

Im ganzen Land herrscht Energiemangel. Aber: Ganz im Sinne unserer bisherigen Projekte wollen wir auch hier nicht alle Probleme auf einmal lösen, sondern klein, einfach, konkret, lokal umsetzbar und multiplizierbar arbeiten. 
Dazu eignen sich Windräder mit einer Leistung bis etwa 5 kW, die man selber bauen kann. Diese Grösse eignet sich, um den Strombedarf einzelner abgelegener Häuser oder Brigaden abzudecken. 
Das Ziel meines letzten Besuchs in Pyongyang war, erste Schritte dazu vorzubereiten. In Pyongyang gibt es ein Zentrum für Alternativenergie-Entwicklung. Diese koreanischen Fachleute sind äusserst interessiert an einer Zusammenarbeit und haben auf unsere Anfrage und Ideen sehr positiv reagiert.
Und so möchten wir vorerst an einem unserer Standorte, in der Kooperative von Samhun (Kreis Hangzu), eine kleine Windkraftanlage als Pilotanlage bauen und so aufzeigen, wie weit eine lokale Produktion möglich ist, welche Grösse sinnvoll ist und mit welchen Kosten wir dabei rechnen müssen. Da wartet einiges an Arbeit auf uns ... aber auch ganz neue Chancen, den Menschen Nordkoreas zur Seite zu stehen. 

Ich freue mich darauf!
 

Stefan Burckhardt
Standortleiter Nordkorea 


 
Ein freundlicher Blick erfreut das Herz; eine gute Nachricht stärkt die Gesundheit. So lautet der Kalenderspruch für den Juni - und es ist auch das, was wir in Pyongyang erlebt haben:
Vom 2. – 13. Juni weilten Stefan Burckhardt und Daniel Gerster wieder in Pyongyang, um die Pläne für 2007 bis 2011 zu konkretisieren und direkte Gespräche mit den Fachministerien zu führen. Die Visa wurden unkompliziert und rasch bewilligt, das alleine ist ein sehr ermutigendes Signal. Die Gespräche verliefen erfreulich - und eröffnen uns neue Möglichkeiten.

 
Die Fachleute des Alternativenergiezentrums von Pyongyang werden jetzt einige Wochen lang in Samhun Windmessungen durchführen, um über den bestmöglichen Standort zu entscheiden.  Ein nächster Besuch in Pyongyang ist im August geplant.
Das Rad müssen wir nicht neu erfinden: Wir stützen uns auf bestehende Baupläne für kleine Windradtypen, die sich weltweit bewährt haben und unter den unterschiedlichsten Randbedingungen erfolgreich selber gebaut wurden.  Jetzt suchen wir finanzielle Unterstützung um das Projekt starten zu können. Wir benötigen dazu 150‘000 Franken.Helfen Sie uns dabei?

 

Agape international arbeitet schon seit 10 Jahren vor Ort in Nordkorea.
Damals befand sich Nordkorea in einer Notlage, in dem auf Grund verschiedener Umstände selbst Grundnahrungsmittel fehlten. Schätzungen gehen davon aus, dass Mitte der Neunziger Jahre bis zu 2 Millionen Koreaner verhungert sind. 
Aus einem anfänglichen Hilfsprojekt entstand bald ein Projekt, das sich auf die Förderung der Ziegenhaltung sowie den Anbau von Futter im ländlichen Hügelgebiet des Landes konzentrierte. Dabei wurden verschiedene landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften beraten und unterstützt. Während der gesamten Zeit war die Energiefrage ein schwieriger Punkt, sei es beim Transport (z.B. beim Bau von Ställen, bei der Ernte oder für den Verkauf von Käse und Joghurt in der Stadt) oder beim Betrieb von Anlagen (wie die Molkereien).
Energie aus Wind zu gewinnen ist eine mögliche Lösung des Problems. 
Der Einsatz der Windkraftanlagen wird auf einzelnen Produktionsgenossenschaften geprüft, so dass die Praxistauglichkeit sichergestellt ist. Die Anlagen sollen die Stromversorgung für einzelne sicherstellen (300 W). Grössere Anlagen in einem Weiler oder Dorf sollen die Energiebedürfnisse einiger 10 bis 20 Haushalte abdecken können (3-5 kW). Die Anlagen sind so gestaltet, dass sie lokal gewartet und möglichst in Serie hergestellt werden können. Sie sollen überall einsetzbar sein. 
Mittelfristig soll das Projekt ohne ausländische Unterstützung tragfähig sein und selbständig multiplizierbar sein. 
Ähnlich wie bei unseren bisherigen Projektaktivitäten ist es das Ziel, zuerst ein Modell zu bauen, das dann an anderen Orten kopiert werden kann. Das Windrad soll in Korea in lokalen Werkstätten hergestellt werden, es soll so einfach gebaut sein, dass es in einzelnen Weilern und kleinen Dörfern eine echte Hilfe ist. Wo nötig, vermitteln wir internationale Expertenkontakte aus dem Ausland und führen Schulungsreisen ins Ausland durch. Ein Ziel ist ebenfalls, dass die Windräder von den Kooperativen selber finanziert werden können, allenfalls mit Hilfe eines Mikrokredites. 

 
 
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Am 20. März kamen die beiden nordkoreanischen Futterbauexperten in der Schweiz an. Vorgängig war die geplante zehntägige Reise mehrmals verschoben worden.
Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, wollte es die Fremdenpolizei genau wissen: Erst als Daniel Gerster persönlich bestätigen konnte, dass die Einladung von Agape international wirklich echt war durften unsere Gäste einreisen. Nach dem ersten Schrecken allseitige Erleichterung - erfreulicheren Begegnungen mit Schweizern stand nun nichts mehr im Weg. Daniel Gerster begleitete sie dann durch ein von ihm hervorragend organisiertes fachliches Programm:
Einführung in die Schweizer Landwirtschaft – Bodenverhältnis – Weide – Wald – Futterbau – Ziegenrassen – Ziegenzucht – Hofbesuche – Hofmechanisierung – Schweine – Mühle – Milchverarbeitung – Kaninchen – und vieles mehr.
Ein vielfältiges, fachlich anspruchsvolles Programm.
Zeitweise verschwanden zwar die Wiesen, das Hauptthema der Weiterbildung unter dem vielen späten Schnee, doch haben wiederum zwei Koreaner eine Horizonterweiterung erlebt. Sie haben für einmal die Welt aus einer anderen Sicht gesehen. Und auch sie werden ihre Eindrücke und ihr neues Wissen in ihrem Heimatland umsetzen und einbringen. Während des ganzen Aufenthalts begleitete der Übersetzer der nordkoreanischen Botschaft in Muri die Gruppe. Diese intensive Zeit hat die bestehenden Beziehungen vertieft und gefestigt. Im Gegensatz zu früheren Weiterbildungen übernahmen diesmal die Koreaner die Finanzierung der Reise. Unser Teil war die praktische Durchführung und Begleitung. 

Ob auf einer Bergwiese in der Schweiz oder in einem Luzernefeld Nordkoreas - Agronom Daniel Gerster ist ein engagierter Berater.

 
 
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Die Nachrichtenagentur KCNA meldete Mitte Mai, dass die nordkoreanische Führung ihren früheren Botschafter in Russland zum neuen Aussenminister ernannt het. Pak Ui Chun tritt die Nachfolge von Paek Nam Sun an, dessen Tod im Januar bekannt gegeben worden war. Pak Ui Chun ist 74-jährig und vertrat sein Land als Botschafter in Algerien, Syrien, Libanon und Russland. Im vergangenen Jahr ist er aus Moskau nach Nordkorea zurückgekehrt.
Welche Rolle wird er als Aussenminister spielen? Wird er dem Land neue Wege öffnen und gute Beziehungen zu den umliegenden Ländern pflegen können? 

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Das Internetradio „Life Channel“ hat ein knapp einstündiges Portrait von Daniel Gerster aufgezeichnet, das am 5. Mai 2007 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Sie können es sich via Internet www.erf.ch/lifechannel anhören und Spannendes von Daniel Gersters Erlebnissen in Korea erfahren – es lohnt sich! ?


 

Fast vier Jahre ist es her, doch schon beim Besteigen des Flugzeugs nach Pyongyang steigen vertraute Düfte in die Nase, die viele gute Erinnerungen wieder wach rufen: Marie-Anne Bühlmann sitzt mit Herzklopfen und freudiger Erwartung da und kann es kaum erwarten, ihre Füsse wieder auf diesen vertrauten Boden zu setzen.
Die Reise in ihre alte Heimat, zusammen mit Daniel Gerster als Reiseleiter und weiteren neun Teilnehmenden sei einfach wunderbar gewesen, berichtet sie:
Vier Begleiter (mit dem Chauffeur fünf) holten uns am Flughafen ab und von diesem Zeitpunkt an waren wir „unzertrennlich“ mit ihnen verbunden. Es war eine völlig neue Erfahrung für mich, als ganz gewöhnliche Besucherin „behandelt“ zu werden. Ich realisierte, wie viel Freiheiten wir hatten, als wir noch dort wohnten und arbeiteten. Damals konnten wir uns ziemlich frei in der ganzen Hauptstadt bewegen. Diesmal konnten wir kaum einen Schritt ausserhalb des Hotels tun, ohne dass einer unserer Begleiter mitkam.“

Die gesamte Reise in ein Land wie Nordkorea war für mich sehr beeindruckend. Ich wusste nicht was mich dort erwarten würde. Die Begegnungen und Erlebnisse haben mich positiv berührt, es war nicht beängstigend, bedrohlich oder bedrückend.
Zu sehen wie Menschen, welche relativ isoliert vom Rest der Welt leben, eingebunden sind in ein System des Glaubens und Gehorsams ihrem verstorbenen Führer und dessen Sohn gegenüber hat mich sehr bewegt. Es ist beeindruckend, welche Kraft, Kreativität und Verbundenheit dadurch entsteht.
Von aussen betrachtet sind es Menschen, die ein einheitliches Weltbild haben und in ihrem ganzen Denken und Handeln durch dieses Weltbild bestimmt sind.“ A. Z. 

Gegen Ende Woche wurde ich mit soviel Hass konfrontiert wie noch nie zuvor in meinem Leben. Wir schauten uns das Kriegsmuseum von Sinjon an und mich dünkte, dass es extra errichtet wurde, um den Hass, der durch die Kriege entstanden ist, lebendig zu erhalten und zu schüren. Ich stand diesem tief sitzenden, grenzenlosen Hass hilflos gegenüber. (…)
Als wir nach acht Tagen mit dem Zug Pyongyang verliessen, merkte ich, dass ich dieses Land und die Leute echt gern bekommen hatte.“ D. W. 
 
 
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