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herzensangelegenheit Nordkorea Juni 2008 English

 

Zwar entwickeln sich in China Alternativenergieprojekte und insbesondere Windanlagen sehr rasch. Doch die meisten Projekte sind im grossen Stil – mehrere Megawatt pro Anlage, ganze Windparks, hoch spezialisierte Technik, Türme bis 100 m gross. Nicht mehr ganz das, was man einfach so selber bauen könnte.
Es dauerte lange, bis ich in Kontakt kam mit einem deutschen Ingenieur, der in abgelegenen Gebieten Chinas beim Aufbau kleiner Windradanlagen mitgearbeitet hatte. Darauf lernte ich eine Professorin kennen, die auch schon Kontakte zu Nordkorea hatte. Diese hatte einen Kollegen, der an der Landwirtschaftsuniversität in Peking lehrt und forscht und mit Windradproduktionsfirmen in der Inneren Mongolei als Industriepartner zusammenarbeitet. So nahm die Reise Gestalt an.“
Stefan Burckhardt 

Der grosse Moment: Abfahrt ins Ausland
Es geht los!

Am Bahnhof in Pyongyang steht der Zug nach Peking bereit.
Drinnen und draussen drängen sich die Menschen. Ein grosser Moment auch für Ingenieur Kim. Schnell noch ein Gruppenfoto mit seiner Frau und seinem jüngern Sohn, einem Ingenieurstudenten an der Kim Tschek Universität. Sein älterer Sohn ist im Militär und kann nicht dabei sein.

Auch die andern vier Herren werden von Ehefrau und Tochter, oder Mutter, Schwester und Nichte verabschiedet. Sie alle wollen den speziellen Augenblick nicht verpassen. Schliesslich waren lange Vorbereitungen notwendig. Zweimal musste der Termin verschoben werden, weil die Ausreisebewilligungen und Reisepässe noch nicht vorlagen.
Auslandfahrten sind immer noch die grosse Ausnahme für Nordkoreaner. Jetzt: Ein Pfiff, die Türen klappen zu, alle stehen am Fenster und winken. Langsam bewegt sich der Zug aus der Bahnhofshalle hinaus. Tack, tack – tack, tack zuerst langsam und dann immer schneller. Die Lieben am Bahnhof werden kleiner und kleiner. Langsam fährt der Zug aus Pyongyang hinaus. Noch 24 Stunden bis Peking!
 
Willkommen!

Gespannt warte ich im Pekinger Hauptbahnhof. Werden wir uns wohl finden?  Jetzt klopft mir jemand auf die Schultern, ein mir unbekanntes Gesicht, doch - diese Anstecknadel mit dem Portrait von Kim Il Sung, die haben nur die Nordkoreaner. „Willkommen in Peking, Herr Ko! Anyonghashimnikka?“

Stefan Burckhardt 

(„Guten Tag“, oder eben „Anyonghashimnikka?“  sagt man in Korea zur Begrüssung - wörtlich bedeutet es „Haben Sie Frieden?“)
Liebe Leserin, lieber Leser
Das erste Windrad in Samhun dreht! Mit Begeisterung habe ich zugeschaut, wie es aufgerichtet wurde und dann zu drehen begann - Da ich im März nicht persönlich nach Samhun reisen konnte, hat Herr Kim davon ein Video aufgenommen, damit ich so doch auch mit dabei sein konnte. Das Rad kann 300 Watt Strom produzieren - das reicht für Licht, TV und Radio eines Hauses. Ich hoffe, mehr darüber in der nächsten „herzensangelegenheit“ berichten zu können.
Ich habe mich sehr darüber gefreut, zwölf Tage mit meinen nordkoreanischen Bekannten unterwegs zu sein. Da war viel Zeit für den Austausch von Gedanken, Ideen, Fragen. Und ich glaube, die Freude war gegenseitig. 
Danke, dass Sie mit Ihren Spenden mitgeholfen haben, dass dies möglich wurde. Mit vielen Ideen und Anregungen sind die fünf Ingenieure zurückgereist. Ich bin überzeugt, dass sie diese in den nächsten Wochen nun konkret umsetzen und bin gespannt auf meinen Besuch in Samhun im Juli.

Stefan Burckhardt, 
Standortleiter Nordkorea

Herr Kim, der Delegationsleiter, sagte am Schluss der Reise: 
Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal zusammen durch China reisen werden. Herzlichen Dank und Aufwiedersehen in Pyongyang!“
 



Aus dem Programm: Das Elektrifizierungsprogramm für abgelegene Gebiete Chinas kennenlernen, den aktuellen Stand von Kleinwindanlagen sehen und von den Erfahrungen der Chinesen hören, die sie bei der Entwicklung, der Herstellung und dem Betrieb dieser Anlagen gesammelt haben.
 
Erlebnisse der einen ...

Unter anderem geht die Reise nach Shangdu, einer kleinen Stadt in dieser riesigen chinesischen Provinz mit dem Namen „Innere Mongolei“. Der Unterschied zu Peking ist gross und vieles erinnert an Nordkorea – Unterkunft im Hotel für Ausländer, die Badewanne leckt und Warmwasser gibt es nur zu bestimmten Zeiten.

Der Hotelmanager meinte, wir sollten besser in seinem Hotel essen, die Leute hier seien Ausländer nicht gewohnt und könnten uns Schwierigkeiten bereiten. Ich schmunzle und überzeuge meinen chinesischen Übersetzer Kevin, dass wir auswärts essen gehen. Das ist auch kein Problem, aber der Hotelmanager verdient an diesem Abend nichts an uns.“

Ich finde es sehr hilfreich, dass uns drei Doktoranden der Pekinger Landwirtschaftsuniversität begleiten. Sie haben vieles mit den Nordkoreanern gemein: Es sind auch Ingenieure (sie schreiben ihre Doktorarbeit über Kleinwindanlagen), die Reise ist auch für sie Neuland. Ihre Englischkenntnisse sind sehr unterschiedlich, wie bei den Nordkoreanern auch. Das alles verbindet. Zuerst werden Fragen via jemanden, der übersetzen kann ausgetauscht, später  auch direkt auf Englisch.
Beim Besuch einer Firma wird dann auf allen Seiten gefachsimpelt. Wieviele Pole hat dieser Generator? Welche Spannung gibt er ab? Wird er direkt an den Rotor angebaut? Nicht nur die Fabrik wird ausgiebig begutachtet sondern auch eine Installation weit abseits vorgeführt, wo die neue Windanlage den Strom für Licht, TV und Wasserpumpe einer neu aufgebauten Farm liefert.“ 


Interessiert studiert Herr Kim die rote Metallflasche im Treppenhaus. In Pyongyang ist er bisher nicht fündig geworden. Feuerlöscher sind Mangelware. Er möchte zwei Stück kaufen und mitnehmen. Das Alternativenergiezentrum hätte bisher keine und es sei ein älteres Gebäude. Ein Brand wäre verheerend.
Und so besuchen wir in Hohhot, der Hauptstadt der Inneren Mongolei, nicht nur Windradfabrikanten, sondern suchen auch Feuerlöscher. Der Manager der Huade New Technology Firma kennt einen Lieferanten und in der Mittagspause nimmt er die Verhandlungen auf.
100 oder 120 RMB pro Stück. Was ist der Unterschied? Ohne oder mit Quittung! Dann mit Quittung bitte! Am Abend werden sie ins Hotel geliefert. Für 120 RMB (18 SFr.) pro Stück mehr Sicherheit beim Windradbau. Auch das gehört zu diesem Projekt. 
 


Was die beiden jungen Schuljungen mit dem roten Dreieckstuch, dem Zeichen für den Jugendbund, wohl beobachten? Mitten in einer grossen Menschenmenge richtet der eine den Blick auf etwas, was ihn erheitert, fasziniert. Der zweite Junge dagegen sieht nachdenklicher, unsicher aus. Was, wenn die beiden Ausländer beobachten? Auch dann würde das Bild passen. Denn die einen Kinder waren uns gegenüber sehr offen, freundlich, herzlich. Andere wiederum zurückhaltend, skeptisch. Aber in jedem Fall diszipliniert, höflich und fast ehrerbietend. Das wird den Kindern schon sehr früh beigebracht. Denn schliesslich werden sie zwanzig Jahre später mitbestimmen, wohin das Land geht. Vielleicht. Sicherer ist jedoch, was in der Bibel denjenigen versprochen ist, die ein friedfertiges, ein bescheidenes und sanftmütiges Herz haben: „Sie werden das Land besitzen“. Wohl sind damit nicht einfach grosse Reichtümer und nicht unbedingt ein Regierungssitz gemeint. Aber die Herzen solcher Menschen des Friedens sind dem Wesen Gottes einfach näher.
Diesen Menschen zu dienen, sie zu fördern ist immer ein Gewinn. Für das Land, die Leute und sogar für uns selbst.
Daniel Gerster 
 
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