
Zwar
entwickeln sich in China Alternativenergieprojekte und insbesondere Windanlagen
sehr rasch. Doch die meisten Projekte sind im grossen Stil – mehrere Megawatt
pro Anlage, ganze Windparks, hoch spezialisierte Technik, Türme bis
100 m gross. Nicht mehr ganz das, was man einfach so selber bauen könnte.
Es
dauerte lange, bis ich in Kontakt kam mit einem deutschen Ingenieur, der
in abgelegenen Gebieten Chinas beim Aufbau kleiner Windradanlagen mitgearbeitet
hatte. Darauf lernte ich eine Professorin kennen, die auch schon Kontakte
zu Nordkorea hatte. Diese hatte einen Kollegen, der an der Landwirtschaftsuniversität
in Peking lehrt und forscht und mit Windradproduktionsfirmen in der Inneren
Mongolei als Industriepartner zusammenarbeitet. So nahm die Reise Gestalt
an.“
Stefan Burckhardt 

Der
grosse Moment: Abfahrt ins Ausland |
Am Bahnhof in Pyongyang steht
der Zug nach Peking bereit.
Drinnen und draussen drängen
sich die Menschen. Ein grosser Moment auch für Ingenieur Kim. Schnell
noch ein Gruppenfoto mit seiner Frau und seinem jüngern Sohn, einem
Ingenieurstudenten an der Kim Tschek Universität. Sein älterer
Sohn ist im Militär und kann nicht dabei sein.
Auch die andern vier Herren
werden von Ehefrau und Tochter, oder Mutter, Schwester und Nichte verabschiedet.
Sie alle wollen den speziellen Augenblick nicht verpassen. Schliesslich
waren lange Vorbereitungen notwendig. Zweimal musste der Termin verschoben
werden, weil die Ausreisebewilligungen und Reisepässe noch nicht vorlagen.
Auslandfahrten sind immer
noch die grosse Ausnahme für Nordkoreaner. Jetzt: Ein Pfiff, die Türen
klappen zu, alle stehen am Fenster und winken. Langsam bewegt sich der
Zug aus der Bahnhofshalle hinaus. Tack, tack – tack, tack zuerst langsam
und dann immer schneller. Die Lieben am Bahnhof werden kleiner und kleiner.
Langsam fährt der Zug aus Pyongyang hinaus. Noch 24 Stunden bis Peking!
Gespannt
warte ich im Pekinger Hauptbahnhof. Werden wir uns wohl finden? Jetzt
klopft mir jemand auf die Schultern, ein mir unbekanntes Gesicht, doch
- diese Anstecknadel mit dem Portrait von Kim Il Sung, die haben nur die
Nordkoreaner. „Willkommen in Peking, Herr Ko! Anyonghashimnikka?“
Stefan Burckhardt 
(„Guten Tag“, oder eben „Anyonghashimnikka?“
sagt man in Korea zur Begrüssung - wörtlich bedeutet es „Haben
Sie Frieden?“)
Liebe
Leserin, lieber Leser Das erste Windrad in Samhun
dreht! Mit Begeisterung habe ich zugeschaut, wie es aufgerichtet wurde
und dann zu drehen begann - Da ich im März nicht persönlich nach
Samhun reisen konnte, hat Herr Kim davon ein Video aufgenommen, damit ich
so doch auch mit dabei sein konnte. Das Rad kann 300 Watt Strom produzieren
- das reicht für Licht, TV und Radio eines Hauses. Ich hoffe, mehr
darüber in der nächsten „herzensangelegenheit“ berichten zu können. Ich habe mich sehr darüber
gefreut, zwölf Tage mit meinen nordkoreanischen Bekannten unterwegs
zu sein. Da war viel Zeit für den Austausch von Gedanken, Ideen, Fragen.
Und ich glaube, die Freude war gegenseitig. Danke, dass Sie mit Ihren
Spenden mitgeholfen haben, dass dies möglich wurde. Mit vielen Ideen
und Anregungen sind die fünf Ingenieure zurückgereist. Ich bin
überzeugt, dass sie diese in den nächsten Wochen nun konkret
umsetzen und bin gespannt auf meinen Besuch in Samhun im Juli.Stefan Burckhardt, Standortleiter Nordkorea Herr Kim, der Delegationsleiter,
sagte am Schluss der Reise:
Ich
hätte nie gedacht, dass wir einmal zusammen durch China reisen werden.
Herzlichen Dank und Aufwiedersehen in Pyongyang!“ |


Aus dem Programm: Das
Elektrifizierungsprogramm für abgelegene Gebiete Chinas kennenlernen,
den aktuellen Stand von Kleinwindanlagen sehen und von den Erfahrungen
der Chinesen hören, die sie bei der Entwicklung, der Herstellung und
dem Betrieb dieser Anlagen gesammelt haben.
Unter anderem geht die Reise
nach Shangdu, einer kleinen Stadt in dieser riesigen chinesischen Provinz
mit dem Namen „Innere Mongolei“. Der Unterschied zu Peking ist gross und
vieles erinnert an Nordkorea – Unterkunft im Hotel für Ausländer,
die Badewanne leckt und Warmwasser gibt es nur zu bestimmten Zeiten.
Der
Hotelmanager meinte, wir sollten besser in seinem Hotel essen, die Leute
hier seien Ausländer nicht gewohnt und könnten uns Schwierigkeiten
bereiten. Ich schmunzle und überzeuge meinen chinesischen Übersetzer
Kevin, dass wir auswärts essen gehen. Das ist auch kein Problem, aber
der Hotelmanager verdient an diesem Abend nichts an uns.“
Ich finde es sehr hilfreich,
dass uns drei Doktoranden der Pekinger Landwirtschaftsuniversität
begleiten. Sie haben vieles mit den Nordkoreanern gemein: Es sind auch
Ingenieure (sie schreiben ihre Doktorarbeit über Kleinwindanlagen),
die Reise ist auch für sie Neuland. Ihre Englischkenntnisse sind sehr
unterschiedlich, wie bei den Nordkoreanern auch. Das alles verbindet. Zuerst
werden Fragen via jemanden, der übersetzen kann ausgetauscht, später
auch direkt auf Englisch.
Beim Besuch einer Firma
wird dann auf allen Seiten gefachsimpelt. Wieviele Pole hat dieser Generator?
Welche Spannung gibt er ab? Wird er direkt an den Rotor angebaut? Nicht
nur die Fabrik wird ausgiebig begutachtet sondern auch eine Installation
weit abseits vorgeführt, wo die neue Windanlage den Strom für
Licht, TV und Wasserpumpe einer neu aufgebauten Farm liefert.“ 

Interessiert studiert Herr
Kim die rote Metallflasche im Treppenhaus. In Pyongyang ist er bisher nicht
fündig geworden. Feuerlöscher sind Mangelware. Er möchte
zwei Stück kaufen und mitnehmen. Das Alternativenergiezentrum hätte
bisher keine und es sei ein älteres Gebäude. Ein Brand wäre
verheerend.
Und so besuchen wir in Hohhot,
der Hauptstadt der Inneren Mongolei, nicht nur Windradfabrikanten, sondern
suchen auch Feuerlöscher. Der Manager der Huade New Technology Firma
kennt einen Lieferanten und in der Mittagspause nimmt er die Verhandlungen
auf.
100 oder 120 RMB pro Stück.
Was ist der Unterschied? Ohne oder mit Quittung! Dann mit Quittung bitte!
Am Abend werden sie ins Hotel geliefert. Für 120 RMB (18 SFr.) pro
Stück mehr Sicherheit beim Windradbau. Auch das gehört zu diesem
Projekt. 

Was
die beiden jungen Schuljungen mit dem roten Dreieckstuch, dem Zeichen für
den Jugendbund, wohl beobachten? Mitten in einer grossen Menschenmenge
richtet der eine den Blick auf etwas, was ihn erheitert, fasziniert. Der
zweite Junge dagegen sieht nachdenklicher, unsicher aus. Was, wenn die
beiden Ausländer beobachten? Auch dann würde das Bild passen.
Denn die einen Kinder waren uns gegenüber sehr offen, freundlich,
herzlich. Andere wiederum zurückhaltend, skeptisch. Aber in jedem
Fall diszipliniert, höflich und fast ehrerbietend. Das wird den Kindern
schon sehr früh beigebracht. Denn schliesslich werden sie zwanzig
Jahre später mitbestimmen, wohin das Land geht. Vielleicht. Sicherer
ist jedoch, was in der Bibel denjenigen versprochen ist, die ein friedfertiges,
ein bescheidenes und sanftmütiges Herz haben: „Sie werden das Land
besitzen“. Wohl sind damit nicht einfach grosse Reichtümer und nicht
unbedingt ein Regierungssitz gemeint. Aber die Herzen solcher Menschen
des Friedens sind dem Wesen Gottes einfach näher.
Diesen Menschen zu dienen,
sie zu fördern ist immer ein Gewinn. Für das Land, die Leute
und sogar für uns selbst.
Daniel Gerster 
Abonnieren Sie die herzensangelegenheiten Nordkorea und lassen Sie sich regelmässig über den Projektverlauf informieren.
Unterstützen Sie das
Projekt finanziell: Schnell und einfach: Online
spenden oder Einzahlungsscheine
anfordern .
Mehr Infos bei den frühere
Ausgaben