Zwischenbericht
März 2002Container
unterwegs nach Nordkorea
Nach unerwarteten Schwierigkeiten mit benötigten Spezialpapieren
ist nun wieder ein grosser Container voller Hilfsgüter unterwegs ins
Land der Morgenstille.
Einerseits befinden sich darin zwei einfache Käserei-Anlagen
inklusive Zubehör und Ersatz-teile für die neuen Standorte in
Namsan und Unzong, andererseits konnte der restliche Platz mit verschiedenen
grösseren und kleineren dringend benötigten Utensilien aufgefüllt
werden. So zum Beispiel 530 Paar Damenschuhe, 9 gebrauchte Kühlschränke,
Autoersatzteile für die Projektfahrzeuge, Lebensmittel, Saatgut und
persönliches Material der Projektmitarbeiter vor Ort.
Einfache Käsereianlage
in modernem Design: Abnahme beim Schweizer Hersteller
Für erste Fell-Gerbeversuche, die Entscheidungsgrundlagen für
eine zukünftige Ausweitung des Projektes in diesem Bereich liefern
sollen, finden sich auch etliche Chemikalien dabei. Herr Hannes Horisberger,
der das Projekt von Campus für Christus vergangenes Jahr besucht und
sich über die Situation vor Ort genau informiert hat, engagiert sich
auch weiter für das Gerben der bisher ungenutzten Felle. Es ist ihm
ein grosses Anliegen, dass nur umweltverträgliche Methoden angewandt
werden.

Der Gerb-Spezialist Hannes Horisberger demonstriert die notwendigen
Arbeitsschritte
Kulturtraining für die Projekt-Mitarbeiter
Daniel Gerster weilte die letzten Wochen zusammen mit dem Projektleiter-Ehepaar
Bühlmann in England zur Weiterbildung. In Birmingham fand ein spezielles
Training für das Leben in anderen Kulturen statt - ein sehr hilfreicher
Kurs, ist doch gerade in Nordkorea vieles total anders als in Europa.
Da ist zum Beispiel die unterschiedlich geprägte Gesellschaft,
deren Unkenntnis oft zu Missverständnissen führen kann:
Individualistisch geprägte Gesellschaft (z. B. in Europa, USA) | GemeinschaftsbezogeneGesellschaft (z. B. Afrika, Asien) |
| Zielorientierung | Allgemeine Übereinstimmung |
| Selbstverwirklichung | Harmonie |
| Produktivität | Menschen sind wichtiger |
| Selbstzufriedenheit | Respekt vor Autorität |
| Verdienst | Soziale Position |

|  |
| Sich für seine eignen Rechte einsetzen | Unterordnung zur Autorität |
Diese (nicht vollständige)
Aufstellung hilft, Handlungen oder Meinungen von Menschen aus anderen
Kulturen besser zu verstehen. Keine Gesellschaftsform ist besser oder
richtiger als die andere - die Formen sind einfach anders. In anderen Worten:
beide Extreme entsprechen nicht vollständig der Art und Weise, wie
es Gott eigentlich gemeint hatte. Die Herausforde-rung besteht darin, eine
gute Balance zu finden.
Neben viel Theorie kam die Praxis nicht zu kurz. Die Kursteilnehmer
setzten sich auch mit einer Sprachlerntechnik auseinander, die ihnen neue
Zugänge zur Kultur des Landes boten. So berichtet Daniel Gerster,
Agronom:
"Die Sprache ist ein wichtiger Teil der Kultur. Beim Lernen der koreanischen
Sprache wurde mir immer mehr bewusst, wie die Sprache ein fester Teil
der Kultur ist und sehr davon geprägt ist. So braucht man im Koreanischen
viel weniger häufig Personalpronomen, wie zum Beispiel „ich“ oder
„du“ etc. Der Zuhörer muss in einem Gespräch aus dem Kontext
verstehen, von wem man eigentlich redet. Auch spricht man Gefühle
nicht direkt aus. Eine Mutter würde nie ihre Kinder so direkt fragen,
ob sie heute lieber Tomaten oder Gurken möchten. Man ist einfach ein
Teil der Gemeinschaft, die heute entweder Gurken oder Tomaten isst. Die
Hierarchie und der gegenseitige Respekt spielt auch eine sehr grosse Rolle.
Das Koreanisch kennt über 100 Formen, wie man „machen“ sagt, je nach
Kontext und Person, die angesprochen wird. Da erschien mir das Lernen der
Sprache fast unmöglich. Doch zum Glück kann man sich schon auf
eine einfachere Art verständigen".

Marie-Anne Bühlmann und ihre Sprachhelferin
Nordkoreanische Praktikanten in die Schweiz
In diesem Sommer können wieder einige Praktikanten bei Schweizer
Bauern ein Praktikum absolvieren. Es sind Schulungsblöcke mit Experten
am Praktikumsort und in der Landwirtschaftlichen Schule Rheinhof in Salez
(SG) geplant. Die Männer werden im Berner Oberland (Lenk / Zweisimmen
/ Gstaad) 15 Wochen lang Gelegenheit haben, sich praktisch mit Berglandwirtschaft
auseinanderzusetzen. Erfahrungsgemäss löst die tägliche
Arbeit auf dem Hof Wissen und Können auf nordkoreanische Verhältnisse
umzuformen. Diesen Prozess auszuhalten ist nicht immer leicht, doch der
einzige Weg, damit das Gelernte auch in einem etwas anderen Umfeld, unter
anderen Gegebenheiten angewandt werden kann. Berichte früherer Praktikanten
bestätigen, dass dieser Teil des Projekts von Campus für Christus
eine lohnende Investition ist. In den nächsten Tagen wird Nordkorea
die Namen der Praktikanten bekannt geben, so dass in der Schweiz die Visa-Anträge
eingeleitet werden können. Dies erfordert sehr viel Zeit - sei es,
dass die Schreibweise der Namen für Konfusion sorgt, die zuständige
Behörde neuerdings ein anderes Formular benutzt oder ein A-Post-Brief
nicht ganz termingerecht eintrifft. Wenn alles klappt, treffen am 26. Mai
unsere Gäste in Zürich Kloten ein.
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Ein Container voller Waren unterwegs nach Nordkorea
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2001:
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