Zwischenbericht
November 2003


Ausblick
und Bilanz
Die Sommersaison 2003
war technisch sehr erfolgreich: Alle Standorte mit neuen Molkereien wurden
eingerichtet und die koreanischen Mitarbeiter geschult. Die Zusammenarbeit
mit dem Ministerium für Leichtindustrie im Bereich Lederverarbeitung
und Felltrocknung ist gestartet, es wurden unzählige Workshops und
Beratungen durch unsere Fachexperten durchgeführt. Daniel Gerster,
unser Agronom bleibt noch bis Ende November vor Ort, das Restteam ist jetzt
wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Besonders die Projektleiter Jürg
und Marie-Anne Bühlmann fühlen sich müde und geben nach
vier Jahren Projektarbeit den Leitungsstab weiter an mich und meine Frau.
Für 2004 liegen von verschiedenen Seiten Anfragen vor und wir suchen
dringend Verstärkung im Team. Bitte beachten Sie daher die Stellenanzeigen
am Schluss des News.
Ich freue mich, auch
im nächsten Jahr gemeinsam mit Ihnen die Aufbauhilfe in Nordkorea
zu fördern. Wir werden das Bestehende weiterführen und vertiefen
und dort ausweiten, wo die Koreaner es uns erlauben. Es ist mein Herzensanliegen,
dass weiterhin in diesem Land die Menschen Hoffnung ganz praktisch erleben!
Stefan Burckhardt, Projektleiter
Nordkorea
Anfragen
von DEZA und UNO
Verschiedene internationale
Organisationen haben Campus für Christus um fachliche Beratung angefragt:
Die Direktion für Entwicklung
und Zusammenarbeit der Schweiz (DEZA) möchte gerne ihren ganzen Kleintierhaltungsbereich
auslagern, was bedeuten würde, rund sieben weitere Orte beraten zu
dürfen. Dieses Mandat entspricht etwa einer 100 % Arbeitsstelle für
einen Agronomen und beinhaltet nicht nur Ziegenzucht, sondern auch die
Bereiche Schafe, Kaninchen und Hühner. Die Arbeit würde in enger
Zusammenarbeit mit der DEZA geschehen.
Die UNO möchte, dass
unsere Fachexperten einen Musterstandort mit Milchverarbeitungszentrum
für sie aufbauen und betreuen. Zusätzlich soll eine Studie angelegt
werden, wie viel ungenutztes Land es noch gibt und wie viel man davon für
die Ernährung nutzen könnte. 
Ledergerberei
 Für das Lederprojekt
konnte Johannes Horisberger im Land einige Ziegenleder zu Probezwecken
herstellen und sie möglichen Kunden zur Ansicht zur Verfügung
stellen. Alle Beteiligten zeigten sich sehr interessiert und erfreut. Um
eine gute Qualität zu erreichen, wird jedoch noch viel Schulung nötig
sein, angefangen bei den Metzgern bis zu den Verantwortlichen der Sammelstellen
und den Angestellten der Gerbereien. Das Echo von einem kontaktierten Kunden
war so gut, dass er noch weitere 2000 getrocknete Ziegenleder möchte,
um zu entscheiden, ob er ein zukünftiger Abnehmer wird!  |  |
Mit den Augen des Neuankömmlings

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Bei der Fahrt quer durch das Land fiel mir auf, dass jedes Stückchen
Land bebaut wird, bis hinauf in steile Hügelflanken. Auf den Strassen
waren viele Holztransporte unterwegs, auf Handkarren, Ochsenwagen oder
traktorgezogenen Anhängern wird der kostbare Energieträger und
Baustoff verschoben. Für westliche Augen sehr ungewohnt, zumindest
für uns, die Nachkriegsgeneration, sind die stark qualmenden Lastwagen:
Brennt denn da ein Feuer? Ja, es sind mit einem Holzvergaser ausgerüstete
Fahrzeuge!
Auf den Baustellen fiel mir
auf, dass die Bauten kaum für 100 Jahre gebaut werden. Die Technik
ist einfach, so dass die Häuser und Ställe oft nur wenige Jahre
halten. Arbeitskraft scheint es in Fülle zu geben, fast alles wird
in Handarbeit gemacht.
Sowohl im Strassen- als
auch im Häuserbau beobachtete ich, wie viele Frauen mit körperlicher
Schwerarbeit beschäftigt sind. Ich selber hatte nur sehr wenig Kontakt
mit Frauen. Sie kochten wohl für uns, blieben sonst aber weitgehend
unsichtbar. Die Tischrunden blieben den Männern und Ausländern
vorbehalten. Einzig junge unverheiratete Hirtinnen nahmen teilweise an
den Schulungen teil.
Beeindruckt war ich durch
die grosse Gastfreundschaft, aber auch durch die Singkultur der Koreaner.
Zum Abschluss einer geselligen Runde wird oft einzeln oder zu zweit ein
Lied vorgesungen - der Reihe nach. Bei einem Fussballspiel waren alle dabei,
vom Teenager bis zum Grossvater, keiner liess sich das entgehen. Ich habe
die Nordkoreaner als sehr sportlich erlebt – was sicher auch durch das
viele zu Fuss gehen gefördert wird... 
150’000 Soldaten gegen
Flüchtlinge

China hat offenbar 150 000
Soldaten an die Grenze zu Nordkorea verlegt. Die Verbände sollen Druck
im Atomstreit ausüben und die Flüchtlingsbewegung unter Kontrolle
bringen. Chinesische Sicherheitskreise haben bestätigt, dass fünf
Divisionen der Volksbefreiungsarmee in die Grenzregion verlegt worden seien.
Ihre Aufgabe sei es, Flüchtlinge aus dem von Hunger heimgesuchten
Nordkorea zurückzuhalten. 
Layout- und Strukturwechsel

Sie halten das erste News
im neuen Gewand in den Händen – gefällt es Ihnen? Wir hoffen,
es dient dazu, Sie besser auf dem Laufenden zu halten.
Strukturell hat sich
folgendes verändert: Alle Partnerschaftsprojekte und Arbeitszweige
von Campus für Christus, die im Ausland tätig sind, wurden unter
dem Namen Agape International zusammengefasst
– das Dach bleibt Campus für Christus,
der Leiter von Agape International ist Roland Kurth. 
Kein
Ende der Hungsersnot
 Auf den Fahrten durch
das Land fiel auf, dass eine gute Ernte steht. Selten sei im Frühling
so viel Regen gefallen wie dieses Jahr. Der Mais und der Reis sahen schön
aus. Wir hoffen, dass die Ernte auch gut eingebracht wurde und die Bevölkerung
davon profitieren kann. Trotzdem reicht auch eine sehr gute Ernte nie aus,
den Ernährungsbedarf der rund 20 Millionen Nordkoreaner zu decken!
Es gibt Schätzungen, dass rund ein Drittel der Nahrungsmittel eingeführt
werden müssten. Das sind rund 100'000 Tonnen! Für eine kleine
Hilfsorganisation wirkt diese Menge enorm gross, es erinnert an die Aufforderung
von Jesus: „Gebt Ihr Ihnen doch zu essen!“ und die Antwort seiner Jünger
„Wir haben doch nur fünf Brote und zwei Fische!“ (Markusevangelium
Kapitel 6, 37) – aber genau diese Menge war genügend... Mein Beitrag ist das zu geben,
was ich habe. Nicht mehr! Angesichts der grossen Bedürfnisse in Nordkorea
geben wir, was wir zu geben haben – in Zusammenarbeit mit Ihnen, unseren
Projektunterstützern: Aus unzähligen kleinen Spenden wächst
ein grosser Betrag, zum Beispiel zum Kauf einer ganzen Molkerei!  |


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