
Ohne
Strom leben - das können wir uns fast nicht vorstellen.
Für Menschen in Nordkorea ist es Alltag |
Im
September konnte Standortleiter Stefan Burckhardt das Dorf Samhun besuchen.
Die Männer zeigten ihm stolz das neue 2 Kilowatt-Windrad, das sie
mit einem Generator und einem Getriebe aus dem Ausland gebaut haben. Jetzt
haben zehn Familien Strom im Haus und können nun am Abend lesen oder
fernsehen.
Auch das vor einem Jahr eingerichtete
300-Watt-Windrad haben die Nordkoreaner überarbeitet und aufgrund
von Vorbildern verbessert, welche der koreanische Teamleiter Jang auf der
letztjährigen Agape-Studienreise in China gesehen hatte. Jang sagte
dazu:
Das
ist erstmalig so konstruiert worden, das gibt es sonst nirgends auf der
Welt. Und, naja, ich habe es selber entwickelt!“
Stefan ist begeistert, wie
viel Eigeninitiative und Kreativität das Windenergieprojekt bei den
Nordkoreanern ausgelöst hat, und er hofft, dass dieses Modell jetzt
weite Kreise zieht und auch andere Dorfgemeinschaften sich Windräder
für ihren Strombedarf bauen können.
Bereits wurde anlässlich
eines Kurses auch ein Windrad-Wettbewerb durchgeführt. Neun Institutionen
haben daraufhin je ein Kleinwindrad präsentiert. Diese wurden von
einer Fachjury bewertet und prämiert. 
Liebe
Leserin, lieber LeserIn Pyongyang wurde ich von
nordkoreanischen wie auch von ausländischen Freunden aufs Wärmste
begrüsst. Eine Woche Nordkorea ist kurz - aber die wichtigsten Dinge
konnten wir „abhaken“: Budgetkontrolle, Windrad besichtigen, Zukunft planen.
Für mich persönlich der Höhepunkt: Ich erkletterte das neu
gebaute grössere 2 kW-Windrad! 15 Meter luftige Kletterei, nicht an
einem Plaisir-gesicherten Felsen, sondern im ungesicherten Nachstieg über
Metalltrittchen. Da gerade nur wenig Wind wehte bestand auch kein Risiko,
von den Flügeln „guillotiniert“ zu werden. Kaum war ich wieder unten
angelangt, wehte drei Minuten lang ein kräftiger Wind, um mir vorzuführen,
dass es wirklich dreht - perfekt! Die ersten Monate dieses
Jahres waren so schwierig, dass ich mich jetzt umso mehr über all
das freue, was im Moment möglich ist. Und da ist auch wieder viel
Vorfreude auf das, was noch kommen wird. Herzlich, Ihr Stefan Burckhardt, Standortleiter Nordkorea |

Mitte
Oktober reiste Stefan Burckhardt mit vier nordkoreanischen Alternativenergie-Experten
durch Deutschland und die Schweiz.
Neben
Windkraftanlagen unterschiedlichster Grössen informierten sie sich
über die verschiedenen andern Alternativen zu Öl oder Kohle.
So war die Idee der Holzpellet-Heizung ebenso neu wie der Solarkocher,
der Windpark ebenso interessant wie das mit Erdgas betriebene Auto. Auch
aus Küchenabfällen oder Jauche lässt sich Gas gewinnen.
Originell der Hometrainer, mit dem wahlweise der Fernseher oder die Küchenlampe
betrieben wird: Fitness und Strom in einem. Stefan Burckhardt konnte für
diese kurze Zeit ein buntes Programm zusammenstellen. Und die vier Gäste
waren vollauf zufrieden. Jeder kam auf seine Rechnung, der Windexperte
wie der Sonnenenergie-Interessierte. Fachdiskussionen dauerten bis in alle
Nacht, im Internet wurde fleissig nach weiteren Informationen gesucht -
und zwischendurch hatte auch etwas Touristisches seinen Platz: Wir führten
sie durchs alte Zürich, an den imposanten Rheinfall und zumindest
mit Bildern in die Hochalpen, die Botschaft lud nach Genf ein – einer meinte
anschliessend glücklich, jetzt hätten sie das Wichtigste von
der Schweiz gesehen.
Anita Burckhardt 

Angeregte
Diskussion um Bauweise und Funktion der Windräder auf dem Taggenberg,
Winterthur |

16.
Oktober 2009: Mit Tickets und Fahrplan bewaffnet „suchen“ wir Ulrichstein
und den Vogelsberg. Dort steht einer der grössten Windparks des Bundeslandes.
Trotz dichtem Nebel finden wir den Ort , die Touristeninformation und hilfsbereite
Herren, die uns den Weg zum Windlehrpfad beschreiben. Ich sehe, dass das
Haus mit einer Holzpellet-Heizung beheizt wird. Der Hausmeister sei nicht
hier, aber er könne das auch zeigen, meint darauf der eine - und so
begutachten wir Heizkessel und Pelletsilo. Danach verabschieden wir
uns. Plötzlich steht Herr Stern wieder da:
Ich
fahre sie zum Windpark – Regen ist angesagt und sie erkälten sich
sonst noch.“ Gesagt, getan! 13 Windturbinen
drehen hier neben der Strasse. Nach einem heftigen Regenguss dann die grosse
Überraschung: Der Himmel reisst auf und wir entdecken immer
mehr Windräder – wir zählen bis 64 Stück. Gut gelaunt machen
wir uns auf den Rückweg: Herr Stern holt uns wieder ab!
24.
Oktober 2009: Ein wunderschöner Tag: auf dem Mont Soleil ein kaum
zu überbietendes Panorama. Die Wanderung vom Testgelände für
Solarzellen zum Windpark bringt uns den Jura nahe; Kühe, Weiden, Pferdekutschen
sind ebenso interessant wie Windräder.
Alle
sind müde nach der langen Reise. Stefan kocht zuhause ein schnelles
Nachtessen aus Reis und Suppe mit Kimtchi. Worauf Herr Kwon meint:
Das
war die beste Mahlzeit bei Ihnen, das war wie in Korea!“
26.
Oktober 2009: Wir regeln finanzielle Fragen, zwei Personen der Gruppe
kaufen selbständig Picknick und kommen mit 5 Cakes (anstatt Brot!)
zurück. Für mich etwas gewöhnungsbedürftig, Salami,
Käse und Essiggurken mit Cake zu essen, aber den anderen mundets.
Neben der fachlichen Weiterbildung waren die letzten 12 Tage auch intensivstes
Kultur- und Sprachtraining.
Sichtlich
bewegt und dankbar verabschieden sie sich am Flughafen.
Taschi
Manabschida – Auf Wiedersehen“. Wer weiss,
wann wir uns wieder sehen. Doch schon vieles wurde möglich in den
letzten drei Jahren, von dem wir kaum zu träumen wagten!
Stefan
Burckhardt 

| Zeitungsartikel
über früheren Projektstandort zeigt: Hilfe zur Selbsthilfe wurde
erreicht, und auch ohne unsere Anwesenheit wird weiter Milch verarbeitet |
2005 unterschreibt die
UNO eine Resolution, dass Nordkorea die Menschenrechte verletze. Als Folge
werden alle NGO‘s inklusive Agape international von der Nordkoreanischen
Regierung gebeten, das Land zu verlassen. Seither können wir viele
unserer früheren Projektstandorte nicht mehr besuchen. Welche Freude,
als wir in einer nordkoreanischen Zeitschrift einen Artikel über die
Ziegenzucht von Pyong Pung Dok entdeckten
Vor etlichen Jahren haben
wir selber über diesen Ort folgendes geschrieben:
1997
wurden im Kreis Hamzu 21 Ziegenbrigaden neu gebildet und in die Bergregion
Pyong
Pung Dok ausgesiedelt. Hier gibt es viele Hügel mit ungenutztem
Land, geeignet für die Zucht von Ziegen. Die Ziegenbrigaden bestehen
aus insgesamt rund 400 unerfahrenen Jugendlichen mit geringen landwirtschaftlichen
Kenntnissen. Einige wenige Familien leiten diese an. Die Region Pyong Pung
Dok hat Modellcharakter für die Besiedlung weiterer Bergregionen Nordkoreas.
Durch diese Pionierstellung ist es hier besonders wichtig, durch fachliche
Begleitung Fehler in der Weide- und Wiesenbewirtschaftung zu vermeiden
und somit den ‚Standard‘ für die KDVR richtig zu prägen.“
Während mehrerer Jahre
betreuten und berieten unsere Agronomen und Käser die Leute in den
Bergen. Ein Verantwortlicher absolvierte ein längeres Praktikum in
der Schweiz. Und wir konnten zusehen, wie Jahr für Jahr Neues entstand.
In den letzten Jahren wurde
es dann still - bis wir diesen Artikel in „Korea 8/2009“ entdeckten:
Viehzucht auf der Pyong
Pung-Hochebene
Herden von Ziegen auf
einer großen Hochebene, moderne Wohnhäuser, Produktionsgebäude
und Fürsorge-Betriebe an der Sonnenseite des Talfusses ... Die Pyong
Pung Dok-Ziegen-Farm im Kreis Hamzu sieht aus wie aus dem Bilderbuch.
Die Gemeinde Hamzu hat
diese Farm für Ziegenzucht aufgebaut, um die Nahrungsmittelversorgung
der Einheimischen zu verbessern. Dieses riesige Projekt beinhaltete den
Bau vieler Kilometer von Strassen, um das Weideland von Pyong Pung zu erschliessen,
das 40 km von der Kreisstadt entfernt liegt. Mehr als 100 Wohnhäuser
wurden gebaut, auch kulturelle und soziale Einrichtungen, sowie die Ställe
für die Ziegen und elektrische Leitungen. Wegen der hügeligen
Lage war es war sehr schwierig, die Strassen zu den Weiden anzulegen. Gemeinde-Verantwortliche
ermutigten durch ihr eigenes Vorbild die Menschen zu dem Projekt.
Jeder setzte sich mit
seiner ganzen Kraft dafür ein, dass es sich in diesem neuen Dorf besser
leben liess, und so machte das Projekt rasche Fortschritte. In nur wenigen
Jahren entstand eine grosse Ziegenzucht.
Heute weiden die Ziegen
auf großen Wiesen, und die Kinder der Bauern besuchen die Schule.
An alles wurde gedacht: Neben den Wohn- und Ökonomiegebäuden
gibt es auch einen Raum für die Verbreitung von wissenschaftlichen
und technischen Kenntnissen, ein Spital, ein Hotel sowie Unterkünfte
für Jugendliche.
Die hochgelegene Farm
ist buchstäblich ein „Zuhause auf Wolken“. Käse, Milch, Quark,
Joghurt und andere Milchprodukte, die im Milchverarbeitungszentrum produziert
werden, sind sehr förderlich für das Leben der Einheimischen.
Die Pyong Pung-Hochebene
verändert sich von Tag zu Tag!
(Übersetzung aus Korea
8/2009)
Ich freue mich sehr, dass
hier das Ziel der „Hilfe zur Selbsthilfe“ wirklich erreicht wurde. Auch
ohne unsere Anwesenheit wird weiter Milch verarbeitet, und die Ziegen gedeihen!
Anita Burckhardt 

voher
- nachher: Die Gegend hat sich unglaublich verändert! |

Als Stefan Burckhardt
einem koreanischen Freund über die Radiosendung in dessen Muttersprache
berichtete, besuchte dieser neugierig die entsprechende Homepage und schrieb
uns daraufhin:
Ich
schätze eueren Einsatz für Nordkorea wirklich sehr. Ich
habe die Homepage besucht und gesehen, dass einige Koreanische Medien den
Bericht aufgegriffen und die Informationen über eure Arbeit publiziert
haben. Ich spüre daraus, dass sie ziemlich daran interessiert sind,
was ihr tut.
Ich persönlich schätze
eure Art, mit Hingabe und ausdauernd zu arbeiten. Ich weiss, dass, egal
in welchem Bereich man mit Nordkoreanern arbeitet, Herausforderungen und
Hindernisse unausweichlich sind. Aber ihr gebt nicht auf! Es sieht aus,
als ob ihr immer wieder unmögliche Dinge möglich machen könnt.
Ich habe viele Veränderungen
in Nordkorea bemerkt. Trotzdem bleibt vieles unvorhersehbar. Gerne würde
ich vermehrt ganz praktisch mit euch zusammen arbeiten. Bitte teilt mir
mit, wenn ich etwas für euch tun kann, um euch zu helfen.“ 

Wir wollen durch Hilfe
zur Selbsthilfe den Menschen Nordkoreas die Liebe Gottes praktisch sichtbar
machen.
Ein grosses Problem ist
die mangelnde Stromversorgung. Wir wollen der Bevölkerung helfen,
sei es durch Windräder oder Solarlampen, die im Land selber hergestellt
werden.
Danke, dass Sie mit Ihren
Spenden mithelfen, der nordkoreanischen Landbevölkerung Zugang zu
Strom und Leben zu ermöglichen. Danke für Ihre Partnerschaft! 
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