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herzensangelegenheit Nordkorea November 2009 English

 


 
Ohne Strom leben - das können wir uns fast nicht
vorstellen. Für Menschen in Nordkorea ist es Alltag

Im September konnte Standortleiter Stefan Burckhardt das Dorf Samhun besuchen. Die Männer zeigten ihm stolz das neue 2 Kilowatt-Windrad, das sie mit einem Generator und einem Getriebe aus dem Ausland gebaut haben. Jetzt haben zehn Familien Strom im Haus und können nun am Abend lesen oder fernsehen.

Auch das vor einem Jahr eingerichtete 300-Watt-Windrad haben die Nordkoreaner überarbeitet und aufgrund von Vorbildern verbessert, welche der koreanische Teamleiter Jang auf der letztjährigen Agape-Studienreise in China gesehen hatte. Jang sagte dazu:
Das ist erstmalig so konstruiert worden, das gibt es sonst nirgends auf der Welt. Und, naja, ich habe es selber entwickelt!“

Stefan ist begeistert, wie viel Eigeninitiative und Kreativität das Windenergieprojekt bei den Nordkoreanern ausgelöst hat, und er hofft, dass dieses Modell jetzt weite Kreise zieht und auch andere Dorfgemeinschaften sich Windräder für ihren Strombedarf bauen können.

Bereits wurde anlässlich eines Kurses auch ein Windrad-Wettbewerb durchgeführt. Neun Institutionen haben daraufhin je ein Kleinwindrad präsentiert. Diese wurden von einer Fachjury bewertet und prämiert. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Liebe Leserin, lieber Leser

In Pyongyang wurde ich von nordkoreanischen wie auch von ausländischen Freunden aufs Wärmste begrüsst. Eine Woche Nordkorea ist kurz - aber die wichtigsten Dinge konnten wir „abhaken“: Budgetkontrolle, Windrad besichtigen, Zukunft planen. Für mich persönlich der Höhepunkt: Ich erkletterte das neu gebaute grössere 2 kW-Windrad! 15 Meter luftige Kletterei, nicht an einem Plaisir-gesicherten Felsen, sondern im ungesicherten Nachstieg über Metalltrittchen. Da gerade nur wenig Wind wehte bestand auch kein Risiko, von den Flügeln „guillotiniert“ zu werden. Kaum war ich wieder unten angelangt, wehte drei Minuten lang ein kräftiger Wind, um mir vorzuführen, dass es wirklich dreht - perfekt! 
Die ersten Monate dieses Jahres waren so schwierig, dass ich mich jetzt umso mehr über all das freue, was im Moment möglich ist. Und da ist auch wieder viel Vorfreude auf das, was noch kommen wird. 

Herzlich, Ihr

Stefan Burckhardt, 
Standortleiter Nordkorea


Mitte Oktober reiste Stefan Burckhardt mit vier nordkoreanischen Alternativenergie-Experten durch Deutschland und die Schweiz.

Neben Windkraftanlagen unterschiedlichster Grössen informierten sie sich über die verschiedenen andern Alternativen zu Öl oder Kohle. So war die Idee der Holzpellet-Heizung ebenso neu wie der Solarkocher, der Windpark ebenso interessant wie das mit Erdgas betriebene Auto. Auch aus Küchenabfällen oder Jauche lässt sich Gas gewinnen. Originell der Hometrainer, mit dem wahlweise der Fernseher oder die Küchenlampe betrieben wird: Fitness und Strom in einem. Stefan Burckhardt konnte für diese kurze Zeit ein buntes Programm zusammenstellen. Und die vier Gäste waren vollauf zufrieden. Jeder kam auf seine Rechnung, der Windexperte wie der Sonnenenergie-Interessierte. Fachdiskussionen dauerten bis in alle Nacht, im Internet wurde fleissig nach weiteren Informationen gesucht - und zwischendurch hatte auch etwas Touristisches seinen Platz: Wir führten sie durchs alte Zürich, an den imposanten Rheinfall und zumindest mit Bildern in die Hochalpen, die Botschaft lud nach Genf ein – einer meinte anschliessend glücklich, jetzt hätten sie das Wichtigste von der Schweiz gesehen.
Anita Burckhardt 

Angeregte Diskussion um Bauweise und Funktion der Windräder auf dem Taggenberg, Winterthur


16. Oktober 2009: Mit Tickets und Fahrplan bewaffnet „suchen“ wir Ulrichstein und den Vogelsberg. Dort steht einer der grössten Windparks des Bundeslandes. Trotz dichtem Nebel finden wir den Ort , die Touristeninformation und hilfsbereite Herren, die uns den Weg zum Windlehrpfad beschreiben. Ich sehe, dass das Haus mit einer Holzpellet-Heizung beheizt wird. Der Hausmeister sei nicht hier, aber er könne das auch zeigen, meint darauf der eine - und so begutachten wir  Heizkessel und Pelletsilo. Danach verabschieden wir uns. Plötzlich steht Herr Stern wieder da:
Ich fahre sie zum Windpark – Regen ist angesagt und sie erkälten sich sonst noch.“ Gesagt, getan! 13 Windturbinen drehen hier neben der Strasse. Nach einem heftigen Regenguss dann die grosse Überraschung: Der Himmel reisst auf und wir entdecken  immer mehr Windräder – wir zählen bis 64 Stück. Gut gelaunt machen wir uns auf den Rückweg: Herr Stern holt uns wieder ab!

24. Oktober 2009: Ein wunderschöner Tag: auf dem Mont Soleil ein kaum zu überbietendes Panorama. Die Wanderung vom Testgelände für Solarzellen zum Windpark bringt uns den Jura nahe; Kühe, Weiden, Pferdekutschen sind ebenso interessant wie Windräder.
Alle sind müde nach der langen Reise. Stefan kocht zuhause ein schnelles Nachtessen aus Reis und Suppe mit Kimtchi. Worauf Herr Kwon meint:
Das war die beste Mahlzeit bei Ihnen, das war wie in Korea!“

26. Oktober 2009: Wir regeln finanzielle Fragen, zwei Personen der Gruppe kaufen selbständig Picknick und kommen mit 5 Cakes (anstatt Brot!) zurück. Für mich etwas gewöhnungsbedürftig, Salami, Käse und Essiggurken mit Cake zu essen, aber den anderen mundets. Neben der fachlichen Weiterbildung waren die letzten 12 Tage auch intensivstes Kultur- und Sprachtraining.
Sichtlich bewegt und dankbar verabschieden sie sich am Flughafen.
Taschi Manabschida – Auf Wiedersehen“. Wer weiss, wann wir uns wieder sehen. Doch schon vieles wurde möglich in den letzten drei Jahren, von dem wir kaum zu träumen wagten!

Stefan Burckhardt 

Zeitungsartikel über früheren Projektstandort zeigt: Hilfe zur Selbsthilfe wurde erreicht, und auch ohne unsere Anwesenheit wird weiter Milch verarbeitet

2005 unterschreibt die UNO eine Resolution, dass Nordkorea die Menschenrechte verletze. Als Folge werden alle NGO‘s inklusive Agape international von der Nordkoreanischen Regierung gebeten, das Land zu verlassen. Seither können wir viele unserer früheren Projektstandorte nicht mehr besuchen. Welche Freude, als wir in einer nordkoreanischen Zeitschrift einen Artikel über die Ziegenzucht von Pyong Pung Dok entdeckten
 

Vor etlichen Jahren haben wir selber über diesen Ort folgendes geschrieben:
1997 wurden im Kreis Hamzu 21 Ziegenbrigaden neu gebildet und in die Bergregion Pyong Pung Dok ausgesiedelt. Hier gibt es viele Hügel mit ungenutztem Land, geeignet für die Zucht von Ziegen. Die Ziegenbrigaden bestehen aus insgesamt rund 400 unerfahrenen Jugendlichen mit geringen landwirtschaftlichen Kenntnissen. Einige wenige Familien leiten diese an. Die Region Pyong Pung Dok hat Modellcharakter für die Besiedlung weiterer Bergregionen Nordkoreas. Durch diese Pionierstellung ist es hier besonders wichtig, durch fachliche Begleitung Fehler in der Weide- und Wiesenbewirtschaftung zu vermeiden und somit den ‚Standard‘ für die KDVR richtig zu prägen.“
Während mehrerer Jahre betreuten und berieten unsere Agronomen und Käser die Leute in den Bergen. Ein Verantwortlicher absolvierte ein längeres Praktikum in der Schweiz. Und wir konnten zusehen, wie Jahr für Jahr Neues entstand.
In den letzten Jahren wurde es dann still - bis wir diesen Artikel in „Korea 8/2009“ entdeckten:

Viehzucht auf der Pyong Pung-Hochebene

Herden von Ziegen auf einer großen Hochebene, moderne Wohnhäuser, Produktionsgebäude und Fürsorge-Betriebe an der Sonnenseite des Talfusses ... Die Pyong Pung Dok-Ziegen-Farm im Kreis Hamzu sieht aus wie aus dem Bilderbuch.
Die Gemeinde Hamzu hat diese Farm für Ziegenzucht aufgebaut, um die Nahrungsmittelversorgung der Einheimischen zu verbessern. Dieses riesige Projekt beinhaltete den Bau vieler Kilometer von Strassen, um das Weideland von Pyong Pung zu erschliessen, das 40 km von der Kreisstadt entfernt liegt. Mehr als 100 Wohnhäuser wurden gebaut, auch kulturelle und soziale Einrichtungen, sowie die Ställe für die Ziegen und elektrische Leitungen. Wegen der hügeligen Lage war es war sehr schwierig, die Strassen zu den Weiden anzulegen. Gemeinde-Verantwortliche ermutigten durch ihr eigenes Vorbild die Menschen zu dem Projekt.
Jeder setzte sich mit seiner ganzen Kraft dafür ein, dass es sich in diesem neuen Dorf besser leben liess, und so machte das Projekt rasche Fortschritte. In nur wenigen Jahren entstand eine grosse Ziegenzucht.
Heute weiden die Ziegen auf großen Wiesen, und die Kinder der Bauern besuchen die Schule. An alles wurde gedacht: Neben den Wohn- und Ökonomiegebäuden gibt es auch einen Raum für die Verbreitung von wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen, ein Spital, ein Hotel sowie Unterkünfte für Jugendliche.
Die hochgelegene Farm ist buchstäblich ein „Zuhause auf Wolken“. Käse, Milch, Quark, Joghurt und andere Milchprodukte, die im Milchverarbeitungszentrum produziert werden, sind sehr förderlich für das Leben der Einheimischen.
Die Pyong Pung-Hochebene verändert sich von Tag zu Tag!
(Übersetzung aus Korea 8/2009)

Ich freue mich sehr, dass hier das Ziel der „Hilfe zur Selbsthilfe“ wirklich erreicht wurde. Auch ohne unsere Anwesenheit wird weiter Milch verarbeitet, und die Ziegen gedeihen!
Anita Burckhardt 

voher - nachher: Die Gegend hat sich unglaublich verändert! 


Als Stefan Burckhardt einem koreanischen Freund über die Radiosendung in dessen Muttersprache berichtete, besuchte dieser neugierig die entsprechende Homepage und schrieb uns daraufhin:

Ich schätze eueren Einsatz für Nordkorea wirklich sehr. Ich habe die Homepage besucht und gesehen, dass einige Koreanische Medien den Bericht aufgegriffen und die Informationen über eure Arbeit publiziert haben. Ich spüre daraus, dass sie ziemlich daran interessiert sind, was ihr tut.
Ich persönlich schätze eure Art, mit Hingabe und ausdauernd zu arbeiten. Ich weiss, dass, egal in welchem Bereich man mit Nordkoreanern arbeitet, Herausforderungen und Hindernisse unausweichlich sind. Aber ihr gebt nicht auf! Es sieht aus, als ob ihr immer wieder unmögliche Dinge möglich machen könnt.
Ich habe viele Veränderungen in Nordkorea bemerkt. Trotzdem bleibt vieles unvorhersehbar. Gerne würde ich vermehrt ganz praktisch mit euch zusammen arbeiten. Bitte teilt mir mit, wenn ich etwas für euch tun kann, um euch zu helfen.“ 


Wir wollen durch Hilfe zur Selbsthilfe den Menschen Nordkoreas die Liebe Gottes praktisch sichtbar machen.
Ein grosses Problem ist die mangelnde Stromversorgung. Wir wollen der Bevölkerung helfen, sei es durch Windräder oder Solarlampen, die im Land selber hergestellt werden.
Danke, dass Sie mit Ihren Spenden mithelfen, der nordkoreanischen Landbevölkerung Zugang zu Strom und Leben zu ermöglichen. Danke für Ihre Partnerschaft! 
 
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