Zwischenbericht
September 20022000% Lohnerhöhung!
– ist dies die grosse Wirtschaftsreform?
Seit Anfang Juli sind eine
ganze Reihe neuer Gesetze in Kraft getreten. Es scheint, als ob Nord-korea
eine ähnliche Wirtschaftsreform wie in China durchführen möchte.
Die Lebensmittelratio-nierung wurde abgeschafft und die Preise stiegen
– bei Lebensmitteln bis um das 50ig-fache. Fahrten mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln sind 20x teurer geworden, neu müssen für Woh-nungen
Mieten bezahlt werden. Die Löhne stiegen um das 10- bis 20ig-fache.
Bauern können neu Land von der Regierung pachten, um den Ertrag des
Feldes zu verkaufen. Zu den Preiserhö-hungen ist zu sagen, dass das
bisherige Preissystem auf sehr tiefem Niveau war, also die neuen Preise
immer noch sehr weit unter dem liegen, was bei uns üblich ist. Eine
kleine Revolution!

Wirtschaftsreform
auch im Berggebiet?
Da Nordkoreas offizielle
Information sehr dürftig ist, ist unklar, wie gross die Veränderungen
wirklich sind. Augenblicklich finden Gespräche auf höchster Ebene
mit Südkorea statt zu The-men wie Wiedereröffnung der Eisenbahnverbindungen
in den Süden, Familienzusammenführun-gen und Soforthilfe. Ob
diesmal die Resultate länger anhalten als nach den letzten Gesprächen?
Es wird vermutet, dass einerseits
die Situation in Nordkorea so hoffnungslos geworden ist, dass Kim Jong
Il reagieren musste, andererseits die nordkoreanische Regierung realisiert
hat, dass mit dem baldigen Rücktritt von Südkoreas Ministerpräsident
Kim Dae Jong auch die Hilfs- und Ge-sprächsbereitschaft des Südens
verloren gehen könnte. Die Zeit eilt, Nordkorea versucht, alles zu
bekommen, was jetzt noch möglich ist: Wirtschafts- und Nahrungsmittelhilfe,
ein Durchbrechen der aussenpolitischen Isolation und die Wiederherstellung
einer Geschäftsgrundlage mit den USA.
Wir befürchten, dass
die Wirtschaftsreform nicht vor allem eine Entspannung der schwierigen
(Lebensmittel-)Situation bringt, sondern etlichen Menschen den letzten
Rest von Versorgung nimmt: Kindern und älteren Menschen, sowie Kranken,
die nicht arbeiten können, keinen Lohn erhalten und jetzt auch keine
Rationen mehr. Welche Auswirkungen diese Reform auf die Hilfs-organisationen
hat ist unklar. Doch müssen auch wir mit höheren Kosten für
Mieten, Telefon, Löhne der Mitarbeitenden, Benzin, etc. rechnen. Wir
beobachten gespannt die weiteren Schritte und hoffen, dass diese Reformen
eine wirkliche Öffnung bringen, die allen Menschen nützt.
Erster Container unversehrt
in Nordkorea angelangt

Markus Kirchmeier
instruiert in der neuen Molkerei Namsan
Die beiden einfachen Molkerei-Anlagen
inklusive Zubehör und Ersatzteile für die neuen Standorte in
Namsan und Unzong sind mit etwas Verspätung aber wohlbehalten eingetroffen
und wurden durch Markus Kirchmeier installiert. Er unterstützte das
Team als Käser während 12 Wochen und äusserte sich am Ende
seines Aufenthaltes sehr positiv über das Erlebte. Insbe-sondere die
Gastfreundschaft der Nordkoreaner berührte ihn – obwohl Mangel herrscht
wird dem Besucher der Tisch reich gedeckt.
Hoher Besuch knapp verpasst
Kurz darauf berichtet Daniel
Gerster, Agronom, aus Pjöngjang:
„Unsere koreanischen Mitarbeiter
sind ausser sich vor Begeisterung. Über das Radio haben sie gehört,
das der grosse Führer Kim Jong Il dem Projektstandort Namsan einen
Besuch abgestattet hat. Solche Besuche haben allerhöchste Bedeutung
für die Leute vor Ort, und viele hoffen das Leben lang vergebens,
einmal von Kim Jong Il besucht zu werden. Wir haben am Abend die Nachrichten
am Lokalfernsehen verfolgt: Der einzige Beitrag in der „Tagesschau“ war
über die-sen Besuch. Der 10 Minuten dauernde Bericht ging offenbar
sogar dreimal über den einen und einzigen Sender, den Koreaner empfangen
können. Nicht erwähnt wurde, dass die Farm auch Unterstützung
von aussen erhielt... Wäre Kim Jong Il zwei Tage früher gekommen,
hätten auch wir ihn noch gesehen. Beim nächsten Besuch werden
wir sicher prächtige Monumente auf der Farm vorfinden, die an den
denkwürdigen Besuch erinnern.“
Humedica schenkt Hilfsgüter
zum Verteilen
Neben medizinischen Hilfsmitteln
(Medikamente, Verbandstoff, Betten, Krücken) enthalten die zwei Gross-Container
einen grösseren Posten von Hipp-Babynahrung (Gläschen-Nahrung).
Die Hilfsgüter werden durch die Projektmitarbeiter von Campus für
Christus in Korea in Empfang genommen und an verschiedene Spitäler
im Land verteilen. Die deutsche Organisation Humedica spendet dieses viele Material mit einem Warenwert von über Fr. 600‘000,
damit wir der not-leidenden Bevölkerung in Nordkorea auch im medizinischen
Bereich helfen können.
Zäan: Saatguvermehrungs-Brigade
benötigt 8 Tonnen Dünger
Zäan ist ein Ort im
Flachland (gleicher Kreis wie Bjong Pun Dok) mit der Aufgabe, sich vor
al-lem auf die Vermehrung von Grassaatgut zu konzentrieren, welches teilweise
von Campus für Christus geliefert wird. Die klimatischen Bedingungen
für Saat und Vermehrung sind in Zäan um einiges besser als in
den Hügelgebieten von Bjong Pun Dok. Das gewonnene Saatgut wird dann
auf die verschiedenen Kooperativen im Hügelgebiet verteilt. Um einen
möglichst hohen und qualitativ guten Vermehrungsertrag zu erzielen,
benötigt Zäan unbedingt Düngemittel. Wie überall im
Land fehlt es an Dünger und der Boden ist äusserst nährstoffarm.
Campus für Christus unterstützt darum diese Saatgutvermehrungs-Brigade
mit Düngemittel. Mit 550 SFr. kann in China eine Tonne Dünger
gekauft und nach Zäan transportiert werden.

Zäan, hier wird
Gras vermehrt
Neuer
Mitarbeiter: Heinz Müller, 29, Futterbauexperte

Seit Juni lebt Heinz Müller
für ein halbes Jahr in Nordkorea, er arbeitet zu je 50 % im Projekt
von Campus für Christus und im Projekt der DEZA (Direktion für
Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz) in Nordkorea.
Der 29-jährige Bauernsohn
Heinz Müller war als Lehrer und Berater an der Landwirtschaftlichen
Schule Rheinhof in Salez tätig, bevor ihn die Neugier packte, in einem
der letzten kommunisti-schen Länder zu arbeiten.
«Ich bin mir bewusst,
dass meine Arbeit nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein ist»,
sagt Müller. Aber: «Ich gehe mit einem guten Gefühl, ich
will persönlich einen Beitrag leisten, dem Elend in der Welt entgegenzutreten.
«Spenden sind zwar hochwillkommen, aber es gilt auch zuzupacken,
vor allem in Bereichen, hinter denen man voll stehen kann.»
Da nimmt er in Kauf, dass
stets ein Dolmetscher neben ihm steht und ein bis zwei staatliche Funktionäre
ihn überwachen. «Ich denke, dass ich dies gut verkrafte.»
(Ein ausführliches Interview
finden Sie im tagblatt.ch vom 30. Mai 2002: Gegen
das Elend in Nordkorea
„Die Leute, die aus
Gras Milch und Fleisch herstellen“
Beiliegend finden Sie einen
Kleber – verstehen Sie nur Chinesisch?
Der koreanische Schriftzug
bedeutet „Die Leute, die aus Gras Milch und Fleisch herstellen“, denn so
ist Campus für Christus in Nordkorea bekannt, so lautet der Slogan,
mit dem Nordkore-aner die Projektmitarbeiter vorstellen.
Die Schrift sieht der Chinesischen
zwar etwas ähnlich, doch ist sie eine verhältnismässig junge
Errungenschaft der beiden Korea. Sie ist die weltweit einzige nach wissenschaftlichen
Kriterien erarbeitete phonetische Schrift mit nur 24 Grundzeichen und wurde
1446 durch König Sejong eingeführt. Vorher schrieb (und sprach)
man – zumindest in den gebildeten Kreisen – Chine-sisch. Eine Erinnerung
daran sind heute die chinesischen Ideogramme, die vor allem für Namen
und feststehende Begriffe verwendet werden.
Der Kleber soll ein winziges
Dankeschön an Sie sein, für Ihr Mittragen, Ihre Spenden, Ihre
Mitarbeit. Vielleicht findet er einen Platz auf der Agenda, am Kühlschrank
oder auf dem Pult, um Sie immer wieder an die Menschen in Nordkorea zu
erinnern.
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