Zwischenbericht
August 2001Überwältigende
Hilfsbereitschaft
Nach dem Versand des letzten
Informationsschreiben trafen innert weniger Tage die benötigten
rund 15'000 Franken ein, damit die ersten Schritte zur Nahrungsmittellieferung
eingeleitet werden konnten. Bis Ende Juli war genügend Geld da, um
grünes Licht für die Einkäufe zu geben. Die beeindruckende
Bereitschaft, zusätzliche Hilfe mit zu finanzieren ist überwälti-gend.
Die Nahrungsmittelversorgung
unserer Standorte ist und bleibt sehr kritisch. Ernteausfälle und
Transportschwierigkeiten sind die augenfälligsten Probleme. Die Menschen
mühen sich mit allen Kräften, höhere Erträge zu erzielen.


Leerer Stausee in Zhang
Zong Ri
Ziegenherde unterwegs zur Weide
Glücklicherweise finden
die Ziegen auch in trockenen Zeiten genügend Nahrung: die Standorte
sind von Gebieten mit Buschwald umgeben. Ihre Milch und die daraus hergestellten
Jo-ghurt und Käse sind jetzt besonders wichtige Bausteine in der Ernährung
der Menschen.
Nach extremster Trockenheit
folgte der Regen - im Übermass
Erst noch mussten ganze Schulklassen,
ausgerüstet mit Kübeln und Giesskannen auf den rie-sigen Maisfeldern
jeder Pflanze einzeln Wasser geben, da wurde am 4. August dieses Jahres
in den Nachrichten von Radio DRS darüber
berichtet, dass in Nordkorea schwere Niederschläge zu grossen Überschwemmungen
führten, vor allem der Küstenregionen im Osten und Westen. 10'000
Menschen seien obdachlos, mehrere Tote zu beklagen. Die Verbindung zu den
betroffenen Regionen seien momentan unterbrochen. Die nordkoreanische Nachrichten-agentur
berichtete, dass innert weniger Tage 50 - 70% der durchschnittlichen jährlichen
Regenmenge gefallen sei. Nach der langen Trockenheit waren die Böden
nicht in der Lage, die grossen Wassermengen aufzunehmen.
Die Projektstandorte von
Campus für Christus sind - laut unseren bisherigen Informationen -
nicht davon betroffen.
Politik: Der nordkoreanische
Staatschef unternimmt grosse Reise
Russland und Nordkorea haben
ihren entschlossenen Widerstand gegen das geplante US-Raketenabwehrsystem
in einer gemeinsamen Erklärung bekräftigt. Beim Besuch des nordko-reanischen
Staatschefs Kim Jong Il beim russischen Präsidenten Wladimir Putin
in Moskau bekannten sich beide Länder klar zum Vertrag über die
Begrenzung der Raketenabwehr aus dem Jahr 1972.
Die europäischen Medien
berichteten darüber - und insbesondere über die spezielle Art
Kims, nach Moskau zu reisen - in mehr oder weniger süffisantem Ton.
Kim Jong Il wählte die Ei-senbahn. Vermutet wird, dass er unter Flugangst
leidet. Die Strecke Pjöngjang - Moskau misst gegen 9000 Kilometer
und mit der Transsibirischen Eisenbahn benötigt man 10 Tage Reise-zeit.
Welcher Staatschef kann es sich heute noch leisten, so lange im Zug zu
sitzen? Die Hoffnung bleibt, dass diese Gespräche mit dazu beitragen,
dass sich das Land weiter öffnet.
Projekt von Campus für
Christus in aller Leute Munde
In den letzten Wochen haben
sich eine Reihe von Leuten für das Projekt interessiert.
Bei einem der Besuche des
Ehepaar Bühlmann in Kubin tauchte plötzlich ein Fotograf der
Zeitung "Pyongyang Times" auf, der ein Bild knipsen wollte für einen
Artikel über den "berühmten" Käse- und Joghurt-Ort Kubin.
Tatsächlich erschien eine Woche später ein fast ganzseitiger
Artikel mit Foto:

Ein paar Tage später
tauchte ein Journalist des Tages
Anzeiger (grosse Schweizer Zeitung) auf, der einen deutschen Politiker
begleitete und ein Gespräch mit Jürg und Marie-Anne Bühlmann
führen wollte. Mitte Juli erschien im „Tagi“ ein seitiger Artikel
von André Kunz über seinen Aufenthalt in Korea mit einem Bericht
über dieses Gespräch.

-> Artikel
zum Projekt (Tages-Anzeiger online Archiv) / Kopie
des Artikels als Bild
-> Hintergrundbericht
zu Nordkorea (Rest der Seite 2)
Anschliessend wünschte
ein Vertreter der Lebensmittel- und Landwirtschafts-Organisation der UNO
einen Besuch in Kubin zu machen. Er wurde angefragt, für die UNO in
Korea im Bereich Milchverarbeitung tätig zu werden. Da er von der
Arbeit von Campus für Christus gehört hatte, wollte er sich diese
zuerst ansehen, bevor irgend ein Engagement ausgearbeitet wird. Gemäss
seiner Beurteilung decken sich unserer Tätigkeiten mit seinen Vorstellungen.
Da war auch noch der Verantwortliche
für den asiatischen Raum des DEZA (Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweiz), der
das Projekt kennen lernen wollte. Auch er besuchte Kubin (dieser Ort ist
sehr gut von Pjöngjang zu erreichen).
Verschiedene Fachleute
investieren (Frei-)Zeit in Nordkorea
Olivia Fässler, die
erste Feldprojektleiterin und Agronomin, führte Daniel Gerster an
allen Standorten in seine neue Arbeit ein. Dazu investierte sie erneut
einen Teil ihrer Ferien!
Nun ist Daniel Gerster mit
seinem koreanischen Team im Land unterwegs, schult die Menschen unter anderem
in Futterbau und -konservierung, an zwei Standorten auch in der Handhabung
der von Campus für Christus gelieferten Motormäher.
Anfang
Juli besuchten Horst und Marianne Reiser (Horst Reiser ist der eigentliche
Projektvater, er startete die Arbeit) mit einem befreundeten Ehepaar Nordkorea.
Es wurden intensive visionäre Gespräche darüber geführt,
wie sich die Hilfe in den nächsten Jahren entwickeln könnte.
Sie besuchten mehrere Standorte und waren sehr beeindruckt von den Veränderungen
der letzten Jahre. Insbesondere begeisterte sie, dass die Koreaner in Kubin
ohne unser Wissen und Zutun eine Milchverarbeitungsfiliale in einer weit
entlegenen Brigade gebaut. Sie ist sehr einfach, aber absolut gebrauchbar.
Im Tal von Kubin sollen drei weitere Anlagen in Betrieb genommen worden
sein, mit einer Tagesleistung von je ca. 400 kg. Im Kreis Tschong Pjong
gibt es 40 LPG's, davon wurden in 12 Orten Milchverarbeitungsbetriebe installiert
und Joghurt produziert. Ungefähr 26'000 Menschen haben an diesen neuen
Orten nun Zugang zu Joghurt.
Die selbständige Multiplikation
hat begonnen!
Warum ich das Landwirtschaftsprojekt
in Nordkorea unterstütze
Projektunterstützer Horst Heinel meint:
"Mich beeindruckt an diesem
Projekt die Einfachheit, die ohne grosse Technologien auskommt. Ich denke
dabei oft an das alte chinesische Sprichwort: "Wenn du einen Hun-gernden
für einen Tag sättigen willst, dann gib ihm einen Fisch. Wenn
du ihm langfristig helfen willst, so lehre ihn fischen."
Eindrücklich ist auch,
dass diese Hilfe beim "Bauernstand" ansetzt, denn schlussendlich sind sie
ja die Versorger der Bevölkerung. Wir Schweizer haben das leider etwas
vergessen, weil wir ja alles im Laden kaufen können."
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Frühere Ausgaben: Januar
2001 / März 2001 / Juni
2001