Zwischenbericht
Juni 2001Landwirtschaftsexperte
für dieses Projektjahr gefunden!
Nach längerer Suche
konnte Herr Daniel Gerster, Ing. Agronom FH, für eine Zusammenarbeit
gewonnen werden. Sein Fachwissen im Bereich internationaler Landwirtschaft
stellt einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der landwirtschaftlichen
Schwierigkeiten unserer Projektstandorte dar. Er wird vor Ort verschiedene
Beratungen und Schulungen durchführen. Die Nahrungsmittelversorgung
ist immer noch eine riesiges Problem, es führt täglich vor Augen,
dass die Anwesenheit gerade von landwirtschaftlichen Experten in Nordkorea
weiterhin dringend nötig ist.

NK-News: Daniel Gerster,
was ist Ihr beruflicher Werdegang?
Daniel Gerster: Nach der
Ausbildung zum Landwirt und ersten Berufserfahrungen bildete ich mich an
einer Bibelschule in Berlin weiter und machte in Guinea zusätzliche
Erfahrungen in Entwicklungszusammenarbeit. Danach studierte ich an der
Fachhochschule
für Landwirtschaft in Zollikofen, wo ich mich insbesondere für
internationale Landwirtschaft interessierte. Zur Ausbildung gehörte
auch ein halbjähriges Praktikum in Vietnam. Als Berater von Milchbauern
des Weltkonzerns Nestlé
organisierte ich längere und kürzere Schulungen - eine ähnliche
Tätigkeit wird mich ja auch im Nordkorea-Projekt erwarten.
NK-News: Was werden
Sie in Nordkorea tun?
Daniel Gerster: Einerseits
übernehme ich die fachliche Betreuung der Standorte,
werde Schulungen und Beratungen zu Fragen der Ziegenzucht
und Futterbau halten
und so die Fortführung der Arbeit meiner VorgängerInnen gewährleisten.
Andererseits erwarte ich, dass sich vor Ort neue Möglichkeiten ergeben
werden.
NK-News: Was motiviert
Sie zu dieser herausfordernden Arbeit?
Daniel Gerster: Ich denke,
es ist für mich eine einmalige Gelegenheit, dieses Land zu besuchen
und es näher kennen zu lernen. Ich schätze diese Art der Entwicklungszusammenarbeit
sehr und freue mich, mein Fachwissen für andere Menschen einzusetzen,
an einem Ort, wo es wirklich gebraucht wird. Ich bin gespannt, was mich
erwartet.

Projektunterstützer
besuchen Nordkorea
Marie-Anne Bühlmann
berichtet:
"Während knapp zwei
Wochen konnten einige Unterstützer das Projekt von Campus für
Christus vor Ort besuchen. Zur siebenköpfigen Reisegruppe gehörten
auch zwei koreanische Begleitpersonen, zwei Übersetzer und der Chauffeur
des kleinen Bus.
Neben der Besichtigung der
Projektstandorte konnten auch touristische Reiseziele besucht werden, so
waren die Teilnehmenden von der herrlichen Aussicht die man vom Juche-Turm
aus über Pjöngjang hat begeistert.
Mit dem Team des DEZA
(Schweizer Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit) konnte
eines ihrer Projekte besucht werden, ehe dann die Standorte von Campus
für Christus in Kubin
(Musterkäserei) und Unzong besichtigt wurden.
Auch die Kultur kam nicht
zu kurz: Der grossartige Pjöngjang-Zirkus stand Abends auf dem Programm.
Am Sonntag war Gottesdienst angesagt und alle, inklusive unsere koreanischen
Begleiter gingen in die Kirche. Anschliessend konnte in Nampo die beeindruckende
Westmeerschleusenanlage besichtigt werden. Diese trennt den Dädongfluss
vom Meer.
Eine etwa sechsstündige
Autofahrt führte am nächsten Tag an die Ostküste und dann
nordwärts nach Zhang
Zong, dem Hauptstandort für die Gewinnung von Ziegensperma. In
wunderschöner Umgebung, direkt am Meer, wurde Quartier bezogen. Leider
war ausgerechnet hier das Wetter kühl und regnerisch.
Anschliessend hiess das
Ziel die Bergregion Byong
Pun Dok. Hier leben rund 400 Personen verteilt auf 20 Brigaden. Sie
roden die Hügel um neues Kulturland zu gewinnen, säen Gras und
züchten Ziegen - harte Pionierarbeit. Trotz beschränkter Möglichkeiten
erwartete uns ein üppiges Mittagessen.
Zum Schluss führte die
Reise an die Grenze zu Südkorea mit den verschiedenen Häusern,
wo der Waffenstillstand beschlossen und unterschrieben wurde. Nur etwa
70 km weit von Seoul entfernt, liegen doch Welten dazwischen! Am letzten
Tag fand sich Zeit für Einkäufe und eine Besichtigung von Projektwohnung
und -büro. Am Morgen allerdings konnten wir noch die Frauenklinik
besuchen, was vor allem für die Ärztin in der Gruppe interessant
war.
Samstag war dann schon wieder
Zeit Abschied zu nehmen. Mein Mann und ich begleiteten die Reisegruppe
bis nach Peking, wo wir uns drei Tage Ausspannung gönnten.
Die Stimmung in der Gruppe
war sehr gut. Wir haben es sehr genossen mit Gleichgesinnten zusammen zu
sein. Diese ganze Zeit, obwohl organisatorisch ziemlich anstrengend, war
sehr ermutigend für uns. Am liebsten hätte ich sie alle da behalten."
Zwölf Meter-Container
in Nordkorea angelangt
Nach der mehrwöchigen
Schiffsreise ist die Fracht
mit dringend benötigter Ware unversehrt in Nordkorea angekommen. Die
Projektleiter Jürg und Marie-Anne Bühlmann konnten den Container
termingerecht im Hafen Nampo zur Verteilung in Empfang nehmen. Da in Nordkorea
Transportmittel für einen zwölf Meter langen Container fehlen,
musste dieser im Hafen entladen werden und auf verschiedene Fahrzeugen
an die entsprechenden Orte gefahren wer-den. Benzin wie Lastwagen sind
Mangelware, was das Ganze zusätzlich erschwerte. Wie er-wartet erwiesen
sich diese weiteren Schritte als d i e grosse Herausforderung
- davon schreiben Bühlmanns im folgenden Email:
"Das Auslösen der
Fracht war eine hochkomplizierte und langwierige Angelegenheit. Es brauchte
einiges an Nerven und Durchsetzungsvermögen bis es soweit war. Um
unseren 12-Meter-Container auszuladen fuhr ein Lastwagen mit einer 4-Meter-Brücke
vor! Das erst nachmittags um 15 Uhr. Um 17 Uhr sollte der Hafen geschlossen
werden. Ich weigerte mich, den Hafen zu verlassen bis der ganze Inhalt
des Containers zum Abtransport bereitstand. Mit Ach und Krach fand sich
ein Kleinbus, wo der Rest noch hineingezwängt wurde. Etwa um 19 Uhr
war alles aufgeladen und wir konnten den Hafen verlassen."

Kleiner Lastwagen mit
wertvoller Ladung
Unter anderem reiste eine
einfache, aber effiziente Käserei-Ausstattung mit, die an einem neueren
Projektstandort, in Zhang
Zong Ri, eingesetzt werden soll. Der Käsermeister Urs Pfister
hat sie im Mai gemeinsam mit den Koreanern aufgestellt und montiert. Auf
eine Inbe-triebnahme musste aber im letzten Moment infolge mangelnder Wasserversorgung
verzichtet und diese auf August verschoben werden. Sauberes Betriebswasser
ist für einen Lebensmittelbetrieb wie diese Käserei absolute
Voraussetzung. Die Verantwortlichen vor Ort versuchen zur Zeit die nötigen
Voraussetzungen bezüglich Wasserqualität sicherzustellen.

Sorgsam, mit einfachsten
Mitteln entladen die koreanischen Partner ihre neue Käserei
Vor
Redaktionsschluss gemeldet: Extreme Dürre lässt alles vertrocknen
Die Nahrungsmittelversorgung
in Nordkorea hat einen weiteren kritischen Punkt erreicht. Nach über
drei Monaten ohne grössere Niederschläge sollen 90 % der ersten
Anpflanzungen verdorrt sein. Dies betrifft vor allem Mais und Getreide,
da der Reis erst jetzt gross genug zur Auspflanzung ist. Bis dieser reif
ist, dauert es noch etliche Wochen. Wenn es jetzt nicht wieder regelmässig
regnet und auch der Reis verdorrt, dann scheint es wirklich schlimm zu
werden.
Die grosse Herausforderung
ist, wie zumindest den Menschen an den Projektstandorten geholfen werden
kann. Eine Lieferung von getrocknetem Gemüse per August ist schon
organisiert, ebenso Baby- und Kleinkindernahrung. Gesucht wird jetzt nach
einer kurzfristigen Lösung, damit sich das Ernährungsloch bis
Mitte August decken lässt. Der Mangel an Transportmitteln erschwert
alles zusätzlich. Nahrungsmittelhilfe scheint zum jetzigen Zeitpunkt
unumgänglich zu sein, auch wenn es nicht der Schwerpunkt des Landwirtschaftsprojektes
ist und auch keine Finanzen dafür vorgesehen waren. Aber wenn die
Leute verhungern, verschwindet auch das vorhandene und vermittelte Know-how,
was doppelt schlimm ist.
| Nahrungsmittelsoforthilfe 100-150g Reis oder Mais pro
Person und Tag für zwei Standorte (2000 Personen) während den
nächsten zwei Monaten => 12 - 18 Tonnen Mais oder
Reis |
| | Kosten, an denen Sie
sich beteiligen können:
| Einkauf Reis oder Mais
6000 bis 9000 Fr. | | Transport 5000 bis
10'000 Fr. | Total 11'000 bis 19'000
Fr. |
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Frühere Ausgaben: Januar
2001 / März 2001