S. D.* ist Leiter unserer Partnerorganisation in einem Nachbarland des Sudan. Sein Team leitet unter anderem Einsätze in den Flüchtlingslagern. S. D. schreibt:

«Gott hat in seiner Treue Einsätze unter den Geflüchteten aus dem Sudan in unserem Land ermöglicht. Der Krieg in Darfur hat viele Zivilisten dazu gezwungen, ihre Familien und Heimatorte zu verlassen, um den Verbrechen und Gräueltaten zu entkommen. Tausende von Menschen befinden sich auf dem Boden unseres Landes in einer unbeschreiblichen Notlage. Mehrere UN-Hilfsorganisationen haben ihre Hilfsangebote erheblich reduziert, da die USA ihre Aktivitäten nicht mehr finanzieren. Diese Situation erhöht das Leid und die Verletzlichkeit der Geflüchteten. Inmitten dieses Leids hat Gott die Herzen dieser Menschen für das Evangelium geöffnet. Das Zeugnis der Liebe der Christen gegenüber diesen Menschen hat den entscheidenden Unterschied gemacht. Jesus sagt: ‹Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.› Wegen der Botschaft von Gottes Liebe und Hoffnung hat eine beträchtliche Anzahl ihr Leben Jesus übergeben und folgt ihm nach. Einige haben den Mut, ihren Glauben zu bezeugen – indem sie mit anderen den Frieden, die Freude und die Hoffnung auf das ewige Leben teilen.

Am 1. Januar 2026 nahmen eine muslimische Frau namens N. und ihre Kinder Jesus als ihren persönlichen Herrn und Erlöser in ihr Leben auf. N. liess sich taufen. Fünf Wochen später erzählte sie zwei ihrer Schwestern davon, die sich daraufhin ebenfalls für ein Leben mit Jesus entschieden. N. und ihre Schwestern haben ihre Achtung bei den anderen Familienmitgliedern verloren. Aber sie sind glücklich, ein neues Leben und eine neue Identität in Jesus Christus gefunden zu haben.»

Von Dezember 2025 bis Februar 2026 haben Mitarbeitende der Partnerorganisation vor Ort fünf Hausgemeinden gegründet. Sie organisieren auch den Einkauf und die Verteilung von Lebensmitteln und Hilfsgütern für Geflüchtete, mit denen sie in Kontakt stehen. Dank Spendengeldern aus der Schweiz können rund 200 Familien mit dem Nötigsten versorgt werden.

*Zum Schutz aller Beteiligten sind Namen und geografische Angaben nicht erwähnt.

Das Engagement von Agape international in Afrika

Viele Menschen in Afrika leiden unter Armut, Gewalt und Unsicherheit. Die Menschen im französischsprachigen Afrika trifft es besonders hart. Krisen, Rebellengruppen und der Klimawandel treiben unzählige in die Flucht. Lokale Teams von Campus für Christus führen Weiterbildungen für Studierende, Leitungspersonen und Pastoren durch. Mit Agape international stehen wir in Kontakt mit Partnern und unterstützen sie, nach Bedarf und Möglichkeit, mit Finanzen und Expertise. 

agape.ch/was-wir-tun/afrika/

Von Christoph Rhyner

Kamerun 2023: Die Maisstauden liegen geknickt auf dem Boden. Edith schaut sich den Schaden an. Tags zuvor sind Böen durch ihre liebevoll gepflegte Rabatte gefegt. Wir schauen uns den Schaden gemeinsam an. Edith hat auch sogleich die Erklärung für die Misere: Die Nachbarn haben unseren Garten verflucht, weil sie eifersüchtig auf unsere schönen Maisstauden waren. Edith kommt aus einer Gegend, in der Verwünschungen und Praktiken, ähnlich dem Voodoo, üblich sind. Ich bin überrascht, dass Edith so reagiert – denn sie folgt schon seit Jahren Jesus nach. Ich frage: «Meinst du nicht, dass Jesus mächtiger ist als die Verwünschungen der Nachbarn?»

Viele Menschen in Afrika – egal ob sie Jesus nachfolgen oder nicht – leben die Spiritualität ganzheitlich und trennen sie nicht von täglichen Aufgaben. Flüche und Verwünschungen üben Macht über die Menschen aus und lösen bei vielen Not und Elend aus. Quentin erzählte uns ein Beispiel dazu: «Ich besuche regelmässig Dörfer im Urwald. Bei einem dieser Besuche drohten uns die Dorfältesten: ‹Ihr könnt uns schon von eurem Gott erzählen. Aber wir haben drei Götter. Mal schauen wer stärker ist.› Diese Aussage war eine Todesdrohung und die Situation lebensgefährlich. Aber Gott ist treu und bereits nach einem Tag liessen sich die ersten taufen, weil sie erkannt haben, dass der lebendige Gott mächtiger ist.»

Quentin verantwortet die Schulungen zum «Gärtnern nach biblischen Prinzipien» in Kamerun. Die Schulungen sind eine gute Möglichkeit, mit Menschen über Jesus ins Gespräch zu kommen. In den Gartenschulungen bekommen die Teilnehmenden einen neuen Bezug zu Gott, seiner Schöpfung und seiner Allmacht. Und sie lernen, dass Segen und Fluch auch mit der Anbautechnik zusammenhängen. Neben den Schulungen für Erwachsene hat dieses Jahr in Kamerun auch ein Sonntagschulprogramm (Let’s Go) für Kinder gestartet. Spielerisch lernen die Kinder nicht nur mehr über die Schöpfung, sondern auch über Gottes Allmacht.

Mit Agape international unterstützen wir die Durchführung von Gartenprojekten zur Selbstversorgung in verschiedenen Ländern. Mehr zu den Projekten in Afrika erfährst du hier: agape.ch/was-wir-tun/afrika/

An der Explo 25 erzähle ich in einer der rund dreissig Nachmittagsaktivitäten mehr über «Gottes Garten gestalten». Die Prinzipien setzen wir gleich praktisch um. Weitere Informationen zur Explo 25 und den Aktivitäten findest du hier: explo.ch

Niemand weiss so recht, was im Land vorgeht, wie ein Haus ohne Fenster. So bezeichnete eine Entwicklungshelferin die Zentralafrikanische Republik. Diesen Sommer habe ich das Land – das auf dem letzten Platz des Welthunger-Index¹ steht – zum ersten Mal besucht. Mit Frauen vor Ort habe ich gekocht und gezeigt, wozu matschige Tomaten und Gemüseabfälle gut sind.

«Sollte man da nicht schönere Tomaten kaufen?», fragt mich Nathalie kritisch. Sie zeigt auf den Sack mit den matschigen Tomaten. Sie sind kurz vor dem Verfaulen und sehen wirklich fürchterlich aus. Ich habe Petula angewiesen, auf dem Markt die weichen Tomaten zu kaufen. Sie hat mich beim Wort genommen. Der Sauce ist es egal, wie die Tomaten mal ausgesehen haben und das erkläre ich den umstehenden Frauen. Nathalie bleibt skeptisch. Erst recht, als ich die Frauen bitte die Rüstabfälle und Zwiebelschalen nicht wegzuwerfen. «Aber das ist doch Abfall, was willst du denn damit machen?», entsetzen sich die Frauen. «Wartet ab», beruhige ich die Damen, «ihr werdet staunen.» Und ich habe nicht zu viel versprochen.

Die Menschen auf dem letzten Platz

«Kann uns jemand zeigen, wie man Gemüse haltbar macht?» schreibt Obadiah aus der Zentralafrikanischen Republik. «Während der Erntezeit haben wir immer viel zu viel Gemüse, das dann schlecht wird», fügt er an. Agape international hat eine Schulung für das «Gärtnern nach biblischen Prinzipien» (biologisch) in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik ermöglicht. 2023 hat eine Woche lang ein Experte aus Kamerun Leute vor Ort geschult. Seither haben die Teilnehmenden kleinere oder grössere Gärten in ihren Hinterhöfen angelegt. Das eigene Gemüse entlastet die Familien, denn das Leben in Bangui ist teuer. Die Zentralafrikanische Republik hat Jahre der Krise hinter sich. Verschiedene Rebellengruppen haben seit 2013 Häuser geplündert, Menschen verstümmelt, vertrieben und ermordet. Im Osten des Landes sind sie noch aktiv, aber in Bangui ist der Alltag eingekehrt. Friedenstruppen sowie Partner aus Ruanda und Russland haben die Rebellen zurückgedrängt. Doch die vielen Panzerfahrzeuge mit dem Gewehr im Anschlag zeigen auf, wie heikel der Frieden ist. Die Menschen in der Stadt sind froh, können sie wieder ihrem Alltag nachgehen, auch wenn er viele Herausforderungen mit sich bringt. Die meisten haben Strom, trotz regelmässiger Ausfälle. Doch viele haben kein fliessendes Wasser, kochen auf dem Feuer und nutzen ein Plumpsklo im Hinterhof. Die Zentralafrikanische Republik belegte 2023 den letzten Platz im Welthunger-Index. 48,7 % der Bevölkerung zählt als unterernährt. Grund genug für mich, meinen geplanten Aufenthalt in Bangui zu verlängern und einen Workshop übers Konservieren anzubieten.

Nichts wird verschwendet

Auf dem Holzfeuer blubbert die Tomatensauce. Nebenan steht ein Kohlekocher mit einem grossen Wassertopf. Darin sterilisieren wir alte Mayonnaisegläser. Die Frauen schauen fasziniert zu, als ich das Prinzip vom «Heiss Einfüllen» erkläre. Diese Konservierungsmethode eignet sich besonders gut im tropisch-warmen Klima. Die Frauen haben zuvor schon alte Gläser gesammelt. Mir war es ein Anliegen, kein Material aus der Schweiz mitzunehmen, um keine unnötigen Abhängigkeiten zu schaffen. So können die Frauen die Techniken ihren Nachbarinnen und Freundinnen lehren. Fleissig machen sich die Damen Notizen oder zücken das Smartphone². und filmen, um nichts von meinen Erklärungen zu verpassen. Als die gefüllten Gläser zum Abkühlen auf dem Tisch stehen, kommt der Höhepunkt des Tages: die Bouillon. «Ich hätte nie gedacht, dass die Abfälle noch für was gut sind», meint Achille erstaunt, «du verschwendest wirklich gar nichts.» Tags darauf erkläre ich den Frauen, wie sie Früchte in Zuckersirup einkochen und wir machen Gurken süss-sauer. Nathalies anfängliche Skepsis hat sich schon lange in Begeisterung verwandelt: «Weisst du, nach der Tomatenernte hat es immer so viele Früchte auf dem Markt, dass einige schlecht werden und sie die Leute wegwerfen. Ich hätte nicht gedacht, dass man die matschigen Tomaten noch nutzen kann. Die Konservierung muss ich unbedingt den Frauen in den Dörfern zeigen, die ich besuche.»

Die Zeit mit den Frauen in Bangui habe ich genossen. Ich durfte in ihre Welt eintauchen und wurde freundlich empfangen. Sie haben mit mir ihr Haus und ihr Essen geteilt. Ich freue mich, durfte ich ihnen Wissen weitergeben, dass ihnen das Leben erleichtert. Und ich freue mich, dass Achille nun Mangos auch ausserhalb der Saison geniessen kann.

 

¹ https://www.globalhungerindex.org/de/car.html

² Auch bei Leuten, die kaum genug zum Leben haben, ist das Smartphone weit verbreitet. Es ermöglicht den Kontakt mit der Familie, da es keine Festnetztelefone oder eine funktionierende Post gibt. Auch kann sich kaum jemand einen Computer leisten.

Noël Faton – Mitarbeiter von Campus pour Christ –  reiste kürzlich nach Burkina Faso. Er leitete ein Seminar und sprach über das Gebet. In einer Gemeinde berichteten die Teilnehmer über ihre Anliegen und über Lebensbereiche, in denen sie sich Veränderungen wünschen. Frau Paré, erzählte von ihrem Wunsch, dass Gott  ihrer Familie begegnen soll.  Als sie nämlich noch klein war, ging  ihre Mutter mit ihr im Versteckten in die Kirche. Der Vater ist Muslim und war gegen den christlichen Glauben. Als Frau Paré älter wurde, setzte sie ihre Schulausbildung fernab ihrer Familie fort und ging weiter zur Kirche. Sie ist heute fest im Glauben verankert. Der Vater blieb Muslim und die Mutter gab es schliesslich auf, in die Kirche zu gehen. Frau Paré betet weiterhin mit Leidenschaft für ihre Familie. Als sie uns ihre Geschichte erzählte, stellten wir fest,  dass mehrere Teilnehmende ähnliche Anliegen haben.

Am Ende des Tages kam Frau Paré nochmals nach vorne. Nachdem sie am Vormittag ihre Sorge um die Familie und ihre Mutter geteilt hatte, erhielt sie in der Mittagspause einen Anruf. Es war ihre Mutter. Diese bat sie um Rat: «Ich habe über die Kirche nachgedacht und dachte, dass ich wieder in die Kirche gehen sollte. Glaubst du, dass das möglich ist?»Sie können sich die Freude von Frau Paré und auch unsere Freude vorstellen.

Nun haben wir eine Gebetskette für die Familien des Landes ins Leben gerufen. Jeden Tag betet mindestens eine Person für die Familien des Landes.

Burkina Faso ist ein Land in Westafrika. Das Land durchlebte in den letzten Jahren verschiedene Krisen. Die Bevölkerung leidet unter wiederkehrende Dürreperioden, Rebellengruppierungen und politischer Instabilität durch verschiedene – teils gewaltsame – Regierungswechsel. Gut 60 % der Burkinabé sind Muslime. Mit Agape international unterstützen wir verschiedene Projekte vor Ort.

«Ich sammle im ganzen Quartier Küchenabfälle für unseren Kompost. Dabei kam ich mit einem Nachbar ins Gespräch. Ich erklärte ihm das Prinzip des Kompostierens und das Gärtnern nach biblischen Prinzipien. Die Küchenabfälle waren der Türöffner für unsere Freundschaft. Wir tauschen uns nicht nur über Gartenthemen aus, sondern auch über den Glauben. Inzwischen hat sich mein Nachbar für ein Leben mit Jesus entschieden.» Jean Bosco Izabayo

Bosco ist Leiter des Great Commission Movement (Campus für Christus) in Ruanda. Er und sein Team engagieren sich für Studierende und organisieren allerlei evangelistische Einsätze. Hinter dem Büro pflegen sie einen kleinen Nutzgarten. Der geerntete Mais, Amaranth, die Bohnen und Kartoffeln sind die Grundlage für die Mittagessen im Team. Zwei Teammitglieder werden nun eine Gartenschulung in Ruanda besuchen und die Grundsätze vom Gärtnern nach göttlichen Prinzipien lernen – biologisch und nachhaltig.

Wir suchen nun Menschen, die bei der Gartenarbeit mit anpacken. Bosco und sein Team wollen ein brachliegendes Stück Land in einen Nutzgarten verwandeln. Das Team vor Ort wird den Garten für die Selbstversorgung sowie Schulungen nutzen – und damit den Menschen Gottes Schöpfung und Liebe näherbringen.

Vom 29.7. – 9.8.24 werden meine Frau Sara und ich einen Einsatz vor Ort leiten. Gemeinsam werden wir das Team bei der Gartenarbeit unterstützen, die Menschen vor Ort kennenlernen und die Geschichte und Schönheiten des Landes entdecken. Mehr dazu

«Die erste und wohl auch die emotionalste Kost, die wir hier in Kenia nur mit Schmerzen runterkriegten, ist der Fakt, dass zum Schluss wohl nur die Hoffnung bleibt.» Nicole und Simon Frey, The LIFE Ministry Kenya

Wir sind unterwegs mit einem kleinen Bus. Landeinwärts in Richtung Busch, weg von der Zivilisation. Die Strasse gleicht einem Feldweg. Es ist trocken. Links und rechts sieht man vor lauter aufwirbelndem Staub so gut wie nichts. In den letzten zwei Jahren sind in Kenia mehr Wildtiere wegen der Dürre verendet als in den vergangenen fünfzig Jahren. Am Wegrand sehen wir immer wieder Baracken, Wohnräume verpackt in Wellblech. Ab und zu ein paar Menschen und streunende Hunde oder Ziegen, die herumirren und vergeblich nach grünen Stellen suchen. Wir biegen vom Hauptweg ab und fahren noch einmal etwa 500 Meter dem Horizont entgegen. Das Bild, das vor uns liegt, entspricht etwa dem, was eine Google-Suche mit den Begriffen «Natur oder Wildnis in Kenia» ergibt. Der Wagen kommt zum Stehen. Wir steigen im Nirgendwo aus.

Wir schnappen die vorbereiteten Essenspakete und machen uns zu Fuss auf den Weg. Nach gut fünf Minuten sehen wir eine kleine Wellblechhütte zwischen ein paar Bäumen. Voller Vorfreude rennen uns kleine Kinder und Teenager entgegen. Ihre hoffnungsvollen Blicke durchbohren die Tragtaschen in unseren Händen. Seit wann haben diese Kinder nichts mehr gegessen? In der Tür, Kopf und Blick zu Boden gerichtet, steht Jojo, die Grossmutter. Durch ein paar Schlitze in den Wellblechen fällt etwas Tageslicht in den kleinen Raum. Neben und hinter ihr sind weitere Personen. Es stellt sich heraus, dass es sich um ihre Tochter und deren sieben Kinder handelt. Wie Ehrengäste werden wir hereingebeten. Der Raum ist vielleicht zwanzig Quadratmeter gross und jetzt so voll, dass nicht alle einen Sitzplatz finden. Von einem Mann, einem Vater, fehlt jede Spur. Es herrscht eine tiefe Stille. In den Augen der Kinder sehen wir Hoffnung, in den Augen der Älteren Leere. Jojo beginnt zu flüstern: «Gott segnet uns so reich mit eurem Kommen». Andächtig senken wir unsere Köpfe und Jojo spricht weiter: «Heute ist der vierte Tag, an dem wir ohne Nahrung sind. Gott hat euch gesendet». Ihre Tochter ergänzt: «Mein Mann arbeitet auswärts. Da er aber ein Alkoholproblem hat, kommt er nicht mehr nach Hause. Ich habe sieben Kinder und es können nicht alle zur Schule. Ich finde zurzeit keine Arbeit.» In der Baracke leben Jojo, ihre Tochter und sieben Kinder. Jojos Tochter ist 32 Jahre alt, ihre älteste Tochter 18 Jahre. Ihr erstes Kind bekam sie also mit 14. Wir nehmen uns Zeit, zuzuhören und verstehen, was die Herausforderungen sind. Was uns so bedrückt, dass wir es kaum aushalten können, sind die Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit und die spürbare Trauer. Die Zukunft der Kinder scheint aussichtslos. Wir würden so gerne etwas tun, aber was? Wir merken, dass es nur eines gibt: Wir können ihnen Hoffnung geben. Also sprechen wir der Familie Ermutigungen und Verse aus der Bibel zu. Aber noch beim Aussprechen fühlen sich diese Worte wie leere Floskeln an. Wir schreien im Herzen zu Gott: «Können wir nicht mehr tun? Gott, schreite ein!» Die Reaktion der Anwesenden erfüllt uns mit tiefer Demut. Nach dem Gebet und dem Überreichen der Essenspakete sind die Augen der Familie voller Hoffnung und wir werden mit Dankbarkeit und herzlichen Umarmungen verabschiedet.

Was nach dieser Begegnung in uns nachhallt, ist die Zuversicht, dass durch Jesus Christus Hoffnung in die Welt kommt. Wir dürfen diese Hoffnung weitertragen und den Menschen damit begegnen. Jesus hat die Wege vorbereitet und wir dürfen Teil davon sein. Alles, was wir zurzeit erleben, ist Neuland für uns. Uns bewegt, dass Alltägliches wie Mahlzeiten und Kleidung für die Menschen hier nicht selbstverständlich ist. In Kenia leben die meisten Menschen von der Hand in den Mund. Am Schluss bleibt die Hoffnung, nicht hungrig ins Bett gehen zu müssen.

Eines ist in Kenia gleich, wie in der Schweiz: Gott hat Wege, Situationen und Möglichkeiten vorbereitet und wir dürfen daran teilhaben. Wir beten, dass Gott uns auf diesem Weg immer wieder Offenbarungen schenkt und wir mit Gehorsam eintreten. Indem wir Gutes tun, nahbar sind und uns hingeben, möchten wir die Liebe Gottes in Kenia reflektieren. Wir können die Welt nicht für alle verändern, doch wir können für Einzelne die Welt verändern. Am Ende ist es die Hoffnung, die unser Leben lebenswert macht.

Nicole und Simon Frey sind im Juli 2023 nach Kenia ausgewandert und leben in einem Vorort von Nairobi. Sie sind Mitarbeitende von Agape international und arbeiten vor Ort für LIFE Ministry Kenya (Campus für Christus). Agape international bewegt Herzen auf der ganzen Welt – durch langfristige und ganzheitliche Projekte in Entwicklungszusammenarbeit, Bildung und praktischer Hilfe vor Ort. Dadurch erfahren Menschen in rund 90 Ländern Gottes Liebe in Wort und Tat.

«Où es ton chéri?», fragt mich Maman Brigitte. Jeden Morgen gehen wir an ihrem «Kiosk» vorbei. Auf einem Holzgestell stehen zwei Gläser mit Bonbons und auf dem Schemel daneben eine Platte mit Papayas und Avocados. Heute bin ich ohne Christoph unterwegs. Das hat Maman Brigitte registriert und ich wechsle ein paar Worte mit ihr. Unsere Wegzeit von unserem Zuhause in Jaunde ins Büro von Campus für Christus hat sich in den letzten Monaten verlängert. Auf dem 1,5 Kilometer langen Fussweg haben wir verschiedene Bekanntschaften geschlossen. Wir erkundigen uns nach dem Befinden der kranken Tochter, der Gemütslage nach dem Tod der Mutter, dem Schlaf in der Nacht oder der letzten Reise ins Dorf. Das dauert.

Seit einem Jahr leben wir in Kamerun und kehren im Juli in die Schweiz zurück. Wir unterstützen das Team von Campus für Christus vor Ort mit unserer Expertise im Bereich Kommunikation und geben verschiedene Schulungen – mal zu interkultureller Kommunikation, mal zu nachhaltigem Gemüseanbau. Campus für Christus Kamerun ist nur einer der 15 Partner im französischsprachigen Afrika, die Agape international mit Finanzen und Expertise unterstützt. Unser Dasein kommt auch ihnen zugute. Kamerun steht exemplarisch für viele Länder Afrikas. Rebellen und radikalislamische Gruppierungen terrorisieren in verschiedenen Regionen des Landes die Bevölkerung. Sie treiben viele in die Flucht. Das Land leidet unter Inflation, Korruption und einer politisch unsicheren Zukunft. Unsere einheimischen Freunde erzählen mir Geschichten, die nur schwer zu verdauen sind. Sie handeln von Gewalt und Ungerechtigkeit. Doch sie haben in ihrem Glauben Halt gefunden und arbeiten unermüdlich daran, den Menschen Gottes Liebe nahe zu bringen.

Die Erlebnisse in Kamerun und die Geschichten unserer Freunde hinterlassen Spuren. Wir beginnen, Vieles zu verstehen. Darum setzen wir uns weiter – auch in der Schweiz – dafür ein, dass die Menschen in Afrika nicht vergessen werden.

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