Nordkorea

Eine langjährige Partnerschaft

Am Anfang, 1995 war’s, da kam eine Bitte: «Nordkorea erlebt eine grosse Hungersnot. Ihr seid Christen, bitte kommt und helft uns!» Nach ersten Nahrungsmittellieferungen war es uns wichtig, die Menschen langfristig, durch Hilfe zur Selbsthilfe, zu unterstützen. Auch fragten wir uns, wie Menschen in Nordkorea Gottes Liebe praktisch erleben können.

Dies herauszufinden brauchte Zeit und viele Gespräche. Wir selbst und auch unsere Teamkollegen waren jung, unsere lokalen Partner meist deutlich älter und lebenserfahren. Ihre Kultur und Sprache war uns fremd. Die natürlichen Gegebenheiten, obwohl ein wenig ähnlich wie wir es aus der Schweiz kannten, doch ganz anders. So setzten wir uns im Dörfchen Sinhung allabendlich mit dem Vizedorfchef vors Haus und fragten ihm ein Loch in den Bauch. Alles interessierte uns. So erschloss sich uns langsam eine neue Welt. Der Übersetzer meinte jeweils, auch er lerne dazu.  

Wenn aus einseitig humanitärer Hilfe etwas nachhaltig, langfristig Wirksames entstehen soll, dann müssen alle beteiligten Partner am gleichen Strick ziehen. Wir müssen uns einig sein, was wir wollen, was die Ziele sind und wie wir sie erreichen. Natürlich stellt sich die Frage, ob das überhaupt geht, als christliches Hilfswerk mit einem totalitären Regime zusammenzuarbeiten. Werden wir eine gemeinsame Basis finden? Uns war wichtig, dass wir das bereits vorhandene Gute nutzen und stärken. Wir sind überzeugt, dass alle Länder grossartige Ressourcen haben. Wir wollten jeden einzelnen Menschen würdigen, denn in jedem steckt Grosses. «Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück»: Unser guter Wille, unser «Herz», wie es ein Begleiter nannte, wurde wahrgenommen. Unsere Bereitschaft, auch von Nordkoreanern zu lernen, erleichterte Vieles.    

So fanden wir in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder neue Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten: Eine verbesserte Ernährung, mehr lokal verfügbare Energie, der Wunsch nach Ausbildung und Fachwissen – diese Ziele der Regierung können wir unterstützen. Oft brauchte es auch hart geführte Diskussionen, ein Einlenken beider Seiten. Manches gelang nicht. Das schmerzte beide, der Prozess förderte trotzdem das gegenseitige Vertrauen. 

Die lange gemeinsame Geschichte mit einzelnen Partnern hat eine Atmosphäre geschaffen, in der wir uns als gleichwertige Akteure sehen – uns versuchen, auf Augenhöhe zu begegnen. Wir können uns darauf berufen, wenn jemand unsicher wird. Wir kennen nun auch unsere Grenzen und versuchen sie gezielt zu nutzen: Als Mann oder als Frau habe ich in Korea zum Beispiel verschiedene Einflusssphären. Diese zu akzeptieren, ist manchmal produktiver als dagegen zu kämpfen. Wir versuchen nicht mehr, einander unsere verschiedenen Glaubensüberzeugungen zu «predigen», wir leben sie einfach. Das fördert ehrliche Gespräche, auch darüber, was wir denken und glauben.

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