Kuba – Bewegung im Stillstand

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Gabriela erzählt, wie sie als Referentin den Traumakurs in Kuba erlebt hat.

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Menschen- und fahrzeugleere Strassen empfangen meine Begleiterin Gretina und mich in Havanna. Benzin ist kaum mehr erhältlich – und wenn, dann zu horrenden Preisen von 8-10 US Dollar*. Die Gelateria verkauft keine Glacé; es gibt kaum Strom zum Kühlen, geschweige denn für Licht. Es wirkt, als ob das Leben stillstehen würde. Nur ein paar E-Roller und alte amerikanische Autos erhellen die Szene. Ein Strassenhändler bietet leckere Früchte zu schwindelerregenden Preisen an. Wir sind die einzigen, die etwas kaufen. Mir scheint, als liege eine schwere Decke über dem Land, die uns die Luft zum Atmen nehmen will.

Angesichts der prekären Versorgungslage fragen wir uns besorgt: Können die Teilnehmenden überhaupt anreisen? Wir hören von Bussen, die mangels Treibstoff stranden oder deren Ticketpreise ins Unbezahlbare steigen. Umso erstaunter sind wir, am ersten Kurstag 44 fröhliche Teilnehmende zu treffen. Aus vollem Herzen loben sie Gott mit mitreissenden Liedern. Jesus ist ihr schützende Platz in dieser Zeit der Bedrängnis; sie begegnen der Not mutig.

Mit grosser Offenheit lassen sie sich auf die Themen Stress und Trauma ein. Die praktischen Übungen zur seelischen Stabilisierung stossen auf Interesse, da viele im Alltag mit sexueller und häuslicher Gewalt, Mangel und Armut konfrontiert sind. Besonders die Körperübungen geben viel zu lachen, was die hitzegeschwängerte Atmosphäre immer wieder auflockert und der bleiernen Müdigkeit entgegenwirkt.

Der Trauma-Kurs von Agape international vermittelt Grundlagen zur Alltagsstabilisierung. Weitere Kurse befähigen, Gruppen zur Schmerzverarbeitung zu leiten. Auf meine Anfrage beim Trauma Healing Institute, ob es ausgebildete Leiter in Kuba gäbe, erhielt ich aus Datenschutzgründen keine Auskunft. Entmutigt sagte ich zu Jesus, dass er wohl andere Wege finden müsse. Doch als ich das Programm am Ende der Woche vorstelle, streckt eine Teilnehmerin aus Guatemala die Hand aus: «Ich bin ausgebildete Leiterin dieser Programme für Erwachsene, Kinder und Jugendliche.» Mir bleibt der Mund offen stehen. Gott hat perfekt vorgesorgt! Sofort scharen sich die Teilnehmenden um Mjriam. Ich bete, dass dieses Programm in Kuba tief Fuss fassen kann.

In Kuba hat Agape international einen Trauma-Grundlagenkurs für das Team vor Ort und Interessierte organisiert. Trotz der anhaltenden Krise und der Herausforderung, überhaupt von einem Ort zum anderen zu kommen, waren 44 Teilnehmende dabei. 94 Prozent der Kubaner leben in extremer Armut, acht von zehn haben in den letzten zwölf Monaten mindestens eine tägliche Mahlzeit ausfallen lassen müssen – aus Geld- oder Lebensmittelmangel.

*Die Lage hat sich in der Zwischenzeit etwas entspannt. Der Benzinpreis liegt bei 2,50 bis 3 US Dollar

Rückmeldung der Teilnehmenden

«Ich habe Zugang zu meinen Gefühlen zu bekommen – dazu wurde ich noch nie ermutigt.»

«Danke, dass ihr uns aus der Orientierungslosigkeit geholt habt. Wir möchten unsere Arbeit als Therapeuten wieder aufnehmen. Wir sind nicht allein.» 

«Erst jetzt verstehe ich, wie wichtig es ist, zu sich selbst Sorge zu tragen.» 

«Ich wusste nicht, dass man 60 % der Traumafälle auch als Laie auffangen und begleiten kann.» 

Möchtest auch du wissen, wie du Menschen, die traumatisches erlebt haben begleiten kannst? Unser Team organisiert auf Anfrage auch Kurse in deiner Region. Weitere Informationen findest du hier: https://www.agape.ch/was-wir-tun/trauma/

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